STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

... um gegen das BurnOut-Syndrom anzugehen.
Tanne
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STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von Tanne » So 10. Feb 2019, 20:33

Hi zusammen,

mich interessiert, OB - und wenn JA, wie Ihr Euren Tag, Eure Stunden, Eure Wochen strukturiert. Mir ist kürzlich klar geworden, dass ich genau dann ins Rutschen komme, wenn eben diese Struktur fehlt. Ich arbeite in einem Bereich, der mir höchst flexlble Arbeitszeiten erlaubt - aber eben auch voraussetzt, MICH ZU STRUKTURIEREN, in dem was WANN und WIE zu tun ist.
Das ich hiermit Probleme habe und dies auch ein Grund für den Rückfall ist - ich sage AUCH - nicht nur, ist mir erst kürzlich klar geworden.

Gibt es eine klare Struktur, erübrigt sich der Zeitaufwand des ständigen Überlegens... "was wollte ich jetzt eigentlich machen"... " was MUSS bis da und da fertig sein" ........

Ideen? Ich stehe mit dem Thema ganz am Anfang leider.

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Wuslchen
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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von Wuslchen » Mo 11. Feb 2019, 09:43

Hallo Tanne,

tja, theoretisch kann ich dir jetzt ne Menge erzählen, ob du es schaffst dies auch in die Praxis umzusetzen, weiß ich halt nicht. Hat bei mir sehr lange gedauert bis das geklappt hat, aber es war sicher eines der wertvollsten Dinge, die ich aus meiner Verhaltenstherapie gezogen habe. Denn ich halte meine Struktur auch in meiner aktuellen tiefen Depression und trotz Krankschreibung seit Juni. :shock: (Kann immer noch nicht glauben wirklich so lange krank geschrieben zu sein...)

Vor allem geht es darum, dir genau zu überlegen was du wirklich täglich immer gleich erledigen kannst und willst. Z.B. bringt es wenig dir zu sagen, dass du täglich um 7:30Uhr aufstehen willst, wenn du Schichtarbeit hast und teilweise erst um 2 oder so ins Bett kommst. Verstehst du, was ich meine? Es muss in dein ganz persönliches Leben hinein passen.
Dann sind so Kleinigkeiten hilfreich wie spezielle Morgen- und Abendrituale. Überlege dir wie es dir am besten gefällt und dann versuche es wirklich täglich gleich zu machen, sodass du nach einigen Wochen gar nicht mehr drüber nachdenken musst. (Ich mache es beispielsweise so: Heizdecke anschalten, damit ich nachts nicht friere *heilig* , ab ins Bad - dort erst Klo, dann Zähne putzen, dann Gesicht waschen, dann Haare kämmen - anschließend in der Küche den Kaffee für den nächsten Tag vorbereiten, Küche katzensicher machen und ab ins Schlafzimmer. Dort meist noch kurz ins Forum schauen, da hier der Schreibtisch steht, dann PC aus, Rückenübungen machen, ins Bett, dort noch kurz Tagebuch schreiben und Licht aus. Ich denke darüber auch gar nicht mehr nach, das passiert echt völlig automatisch.)
Bist du in einer Arbeit oder machst du hauptsächlich Homeoffice? Bei letzterem ist es wichtig zu schauen, dass du täglich einmal aus dem Haus kommst und sei es nur für einen kurzen Einkauf, einen Minispaziergang oder was auch immer. Das ist wirklich hilfreicher als man glauben mag, der Körper und vor allem die Seele brauchen frische Luft, Tageslicht, Bewegung und draußen sein.
Und was immer gut ist, wenn du eine sportliche Betätigung machst und die auch versuchst jeden Tag, jeden zweiten Tag oder mindestens regelmäßig 2x pro Woche in deinen Alltag zu integrieren. Auch hier möglichst am gleichen Tag, sodass es irgendwann zur Routine werden kann.
Es gibt Menschen, die machen sich gerne einen Essensplan für die Woche, damit der Einkauf leichter fällt und man nicht täglich neu überlegen muss was man kochen soll.
Und es kann auch helfen kleine Handgriffe immer gleich zu machen, beispielsweise den Tee immer gleich aufzubrühen oder immer den gleichen Ablauf bevor du aus dem Haus gehst mit Mantel an, Schal um, Mütze auf etc. Das mag etwas komisch klingen, aber solche winzigen Dinge helfen auch größere Strukturen einzuhalten.

Jetzt hab ich aber erstmal genug geschrieben. :D Was extrem wichtig ist: Verurteile dich nicht, wenn es nicht gleich klappt!! Immer und immer wieder neu probieren ist hier die Devise! Nicht sauer sein und sagen, dass es so ja gar keinen Sinn macht, alles hinschmeißen und aufgeben. Sondern akzeptieren, dass es nicht so funktioniert hat, wenn es dir gelingt darüber lächeln und beim nächsten Mal erneut probieren. So lange bis es klappt. Und das kann - es tut mir leid dir das so zu sagen - Monate dauern. Aber irgendwann sitzt es. Durchhalten und nicht aufgeben, das ist wichtig dabei und wenn du es wirklich willst, dann geht es auch irgendwann.

Ich hoffe ich konnte dir damit ein bisschen helfen, wenn Fragen sind, dann raus damit und wenn es dir gar nix gebracht hat, dann vergiss einfach was ich geschrieben habe. *zwinkern*

Viel Erfolg wünscht dir
das Wuslchen
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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von Tanne » Mo 11. Feb 2019, 10:20

Ganz Lieben Dank :-)
Was mir vor allem fehlt, ist STRUKTUR im Arbeitsbereich - da eben viel Büroarbeit. Diese Neuerung hat sich vor 7 Monaten ergeben . Vorher waren es eher Tätigkeiten "am Menschen", was mir wirklich leicht fällt, da ich sehr spontan bin und schnell auf neue Umstände reagieren kann.
PAPIERARBEIT allerdings ist so ne Sache. Anrufe, mails, Zwischen To - Do`s, ..... Neuland für mich und ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig werden würde.
Ich arbeite immer noch mit Menschen - nur jetzt muss sich die administrative Tätigkeit sicher mit der praktischen verknüpfen lassen - kaum machbar gerade - deswhalb auch der CUT in 2 Wochen (Tagesklinik). Bin sowas von "durch". Und ja: SOFORT steht die Selbstanklage da, weil ich es eben (noch) nicht kann. Ich verzettel mich. Dann kommt die gefühlte Niederlage. Und allzu gerne wälze ich das auf mich als "Gesamtwerk" um und denke, ich "hätte es einfach nicht drauf" .... ein Teufelskreis. Dennoch danke Wuslchen.... bitte gern weiter Eure Erfahrungen hierzu schreiben ......Liebe Grüße

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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Fr 15. Feb 2019, 16:58

Hi Tanne!

Wie hältst du´s denn mit "technischer Unterstützung", z.B. einer Kalender-/Erinnerungs-App? Ist ja bei den meisten Email-Programmen standardmäßig dabei.

Mir hilft das beim Termin- /Arbeitsmanagement ganz gut - ich hab meinen Kalender auch mit den mobilen Geräten verknüpft, dass ich auch außer Haus nicht "blank" dastehe, wenn ich mal nen "Aussetzer" habe.

Immer wiederkehrende Dinge sind leicht durch Serien abdeckbar. Wenn ich mental gut drauf bin, dann schau ich vielleicht 2-3x wöchentlich rein. Wenn´s mir schlecht geht, dann mehrmals täglich. Oft setze ich dann auch Erinnerungen rechtzeitig vor die Ereignisse, damit ich nichts wichtiges verpasse.
Damit´s nicht monoton wird, kann man die Blöcke ja nach Lust und Laune verschieben, sieht dann aber auch die anderen und kann somit Kollisionen vermeiden, oder dass irgendwas vergessen wird. Ist für mich fast so spaßig wie "Tetris"... Manchmal... :-))

Mir hilft´s gut, anderen ist es vielleicht schon zu viel Stress, den Kalender zu pflegen. Ich find´s halt klasse, dass sich damit nicht nur "altmodisch" Termine managen lassen, sondern sämtliche Tätigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten. Eine Zeit lang habe ich mich sogar an mein Entspannungstraining erinnern lassen, dass das im Alltag nicht untergeht. :roll:

LG
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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von Weissnix » Di 19. Feb 2019, 11:51

Bezieht sich die Frage nur auf den Beruf oder auch auf's Private?

Mit der Strukturierung habe ich ziemlich große Probleme. Ich lehne Anforderungen derzeit fast komplett ab, auch solche, wo der Verstand mir sagt, die wären sinnvoll. Daher habe ich so gut wie keine Struktur im Moment, außer wenn sie mir zwangsweise vorgegeben wird und ich nicht rauskomme.

Um die allernotwendigsten Dinge am Laufen zu halten, benutze ich ein Programm für den Computer (AlarmClock), wo man Termine eintragen kann und dann eine Erinnerung auf den Bildschirm geklatscht bekommt. Als Termine habe ich im Moment Hausarbeiten drinstehen, Zähne putzen abends, wann ich ins Bett gehen soll und regelmäßige Termine, wo ich hingehen muss oder will. Das funktioniert allerdings nicht so ganz, weil ich die Termine oft ignoriere, wenn ich sie nicht wirklich machen MUSS.

Ohne Selbstdisziplin geht dann halt doch nichts, und die habe ich nicht.

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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Di 19. Feb 2019, 12:14

Hi!
Weissnix hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 11:51
Ohne Selbstdisziplin geht dann halt doch nichts, und die habe ich nicht.
Der Meinung schließe ich mich an! Fehlt die Kraft und/oder der Wille, dann nutzen die besten Hilfsmittel nichts.

LG
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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von jedi » Di 19. Feb 2019, 13:57

Hallo !


@Weissnix,
Weissnix hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 11:51
Ohne Selbstdisziplin geht dann halt doch nichts, und die habe ich nicht.
darf ich dich fragen, "warum fehlt dir die Selbstdisziplin ??
"was genau hindert dich, Selbstdisziplin zu üben" ??
"was bräuchtest du, damit dir ein wenig mehr selbstdisziplin gelingen könnte" ??
du brauchst nur antworten, wenn du magst, ansonsten schau, ob die fragen etwas in dir auslösen !!

@ZeroOne,
ZeroOne hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 12:14
Fehlt die Kraft und/oder der Wille, dann nutzen die besten Hilfsmittel nichts.
aber ZeroOne, wie soll es ohne Hilfsmittel gehen ??
es ist meiner meinung nach wichtig, dass die kleinsten hilfen, step by step, einem aus der kraftlosigkeit u. willenlosigkeit helfen.

bspl. wäre, man finge an, sich eine morgenstruktur zu erschaffen.
diese in einzelne schritte aufzuschreiben u. sie sichtbar zu positionieren.
diese abläufe dann immer u. immer wieder einüben.
dann könnte man es nach einiger zeit erweitern, zbspl. auf den vormittag.
haben sich abläufe verfestigt, dann kann die begrenzung auf die mittagszeit ausgedehnt werden, später kann man den nachmittag hinzunehmen u. wenn sich diese strukturen weiter verfestigt haben, dann kann der abend hinzugenommen werden.
es ist auch möglich, jeden einzelnen abschnitt des tages für sich allein eine struktur zu geben u. einzuüben.

zur überprüfung, wie gut es klappt, kann man die tätigkeiten auf dem geschriebenen blatt immer abhaken.
begünstigt die erfolgaussichten u. stärkt das Selbstbewusstsein u. unterstützt unsere mögliche willenlosigkeit !

kenne ich so aus der Achtsamkeit, wo es auch um die ganz kleinen dinge geht, wie zbspl. achtsam zu bleiben beim zähneputzen, fängt aber schon an beim aufstehen aus dem bett, beim duschen, beim katoffel schälen, gemüseputzen, uvm.
es geht wie auch bei der erschaffung von strukturen, um das bewusste wahrnehmen, immer im jetzigen moment zu bleiben u. den gedanken nicht erlauben, schon in die zukunft zu gehen oder wenn die gedanken uns wieder erzählen, "du bist heute dafür zu kraftlos u. wollen, brauchst du auch nicht, du schaffst das eh nicht" !

Davor sich zu schützen, ist anstrengend u, auch nicht leicht !
habe damit so meine eigenen erfahrungen machen müssen :-))

Aber mach- u. schaffbar !!!

LG jedi

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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Di 19. Feb 2019, 15:16

Hi jedi!
jedi hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 13:57
aber ZeroOne, wie soll es ohne Hilfsmittel gehen ??
es ist meiner meinung nach wichtig, dass die kleinsten hilfen, step by step, einem aus der kraftlosigkeit u. willenlosigkeit helfen.
Ich würde nach meinem Empfinden mit "Janein" antworten. *heilig*

Jede Hilfe ist natürlich wichtig - auch wenn man ganz klein anfängt und sich dann Schrittchen für Schrittchen steigern kann - ggf. durch Teilerfolge immer weiter motiviert.
Aber wenn einem selbst die Kraft für den ersten, wenn auch noch so kleinen Schritt fehlt, dann hilft auch das beste Werkzeug nichts.

LG
ZeroOne
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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von jedi » Di 19. Feb 2019, 17:44

Hi ZeroOne !
ZeroOne hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 15:16
Aber wenn einem selbst die Kraft für den ersten, wenn auch noch so kleinen Schritt fehlt, dann hilft auch das beste Werkzeug nichts.
doch ist es nicht auch so, dass wir diesen kleinen schritt tun müssen, wenn wir uns, von der macht der kraftlosigkeit befreien wollen ?
ich verstehe was du meinst u. kann auch nachvollziehen, wie schwer es ist, wenn einem kraftlosigkeit gefangen hält u. unser wille, immer wieder durch unseren kritiker klein gehalten wird.

ich würde aus meiner erfahrung dann empfehlen, einmal über ein AD nachzudenken, dass den eigen-antrieb unterstützt.
mich haben diese AD überhaupt erst in die lage versetzt, wieder eine alltägliche struktur zu denken u. aufnehmen zu lassen.
hat mich überhaupt erst dazu befähigt, einer therapie , mit ihren aufgaben u. übungen zu machen.
hilfreich waren auch die Achtsamkeits- seminare.
dies lernen u. wahrnehmen, nur im jetzigen moment sein, dieser kleinsten schritte.
könnte gerade auch denen etwas helfen, die auf einen therapieplatz warten oder schwierigkeiten haben, den passenden TP zu finden oder auch das pech hatten, eben den nicht für sich richtigen, vertrauenswürdigen TP gefunden zu haben.

LG jedi

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Re: STRUKTUR - wie geht IHR mit dem Thema um

Ungelesener Beitrag von Weissnix » Mi 20. Feb 2019, 01:00

jedi hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 13:57
darf ich dich fragen, "warum fehlt dir die Selbstdisziplin ??
"was genau hindert dich, Selbstdisziplin zu üben" ??
"was bräuchtest du, damit dir ein wenig mehr selbstdisziplin gelingen könnte" ??
du brauchst nur antworten, wenn du magst, ansonsten schau, ob die fragen etwas in dir auslösen !!
Darüber habe ich schon viel nachgedacht, aber noch nicht die einzig wahre Antwort gefunden. Ein paar Ideen habe ich, die vielleicht ganz oder teilweise zutreffen könnten.

Ich hielt es zuerst für eine Charakterschwäche, weil andere viel mehr geschafft haben als ich. Aber es ist wohl so, dass jeder Mensch einen Vorrat an Selbstdisziplin hat, und dann kommt es eben darauf an, wieviel davon für alltägliche Aufgaben verbraucht wird. Manche brauchen für die gleiche Aufgabe mehr Disziplin als andere. Statt Disziplin kann man wohl auch Kraft sagen.

Was ich beobachtet habe, ist dass die Selbstdisziplin immer weniger geworden ist, je älter ich wurde und je mehr Stress ich hatte, privat und beruflich. Ich war eigentlich nicht dumm und habe versucht, Belastungen zu verringern, durch Teilzeitarbeit, weniger Hobbies, aber es hat alles nichts geholfen.

Ich habe zu lange meine Bedürfnisse missachtet und versucht, zu funktionieren.
Zum Funktionieren gehören bei mir auch die Alltagspflichten, Hygiene, Hausarbeit, dazu dann die berufliche Arbeit und private Verpflichtungen.

Die Aufgaben teilen sich auf in optionale Aufgaben und Pflichtaufgaben. Die optionalen Aufgaben lässt man als erstes liegen. Was man zu den Pflichtaufgaben zählt, wird noch am längsten aufrecht erhalten. Was Pflichtaufgaben sind, ist Definitionssache, d.h. man setzt Prioritäten, und die können sich mit der Zeit auch verschieben, aber es kann irgendwann der Punkt kommen, wo man auch die Pflichtaufgaben nicht mehr schafft.

Zu den Pflichtaufgaben zähle ich zur Zeit noch die berufliche Arbeit, wenn auch nur in Teilzeit. Wenn ich dann dafür meinen Vorrat an Selbstdisziplin verbraucht habe, dann ist eben nichts mehr übrig.

Meine Gefühle sagen dann, es reicht, ich will nicht mehr nur funktionieren, ich will leben. Wo bleibe ich?
Die ganze Zeit wurde mir gesagt, wann ich morgens aufzustehen habe, wann ich in der Schule oder bei der Arbeit erscheinen muss, wie lange ich dort bleiben muss, wie ich mich dort verhalten soll, und wenn ich dann zu Hause bin und frei habe, dann habe ich verdammt noch mal keine Lust, schon wieder Anweisungen zu befolgen, selbst wenn es meine eigenen wären. Ich will nicht. Und ich bin müde.

Deshalb funktioniert es nicht. Ich will nicht / ich kann nicht ist glaub ich kein Unterschied mehr.
Ich würde am liebsten nur noch Dinge tun, die ich wirklich tun will. Es ist ein kleiner Rebell in mir, aber weil er sich bei den Pflichtaufgaben (noch) nicht austoben darf, tut er es eben bei den optionalen Aufgaben.

Ändern kann ich daran erstmal gar nichts. Wahrscheinlich kann es nur besser werden, wenn der kleine Rebell sich austoben darf und irgendwann zufrieden ist.

Also eigentlich sind es zwei Dinge: der Rebell und die Erschöpfung. Könnte aber auch beides eins sein, ich weiß auch nicht.

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