Nicht auf Verständnis anderer hoffen

... um gegen das BurnOut-Syndrom anzugehen.
Martin1983
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Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Martin1983 » So 28. Okt 2018, 08:08

Ich muss immer wieder feststellen, dass BO bei fast allen Generationen nicht wirklich ernst genommen wird. Man wird als Fauler oder als Simulant beschimpft. Ich selbst habe das Nähen an der Nähmaschine für mich entdeckt um zu entspannen. Kann ich jedem nur mal empfehlen. Man braucht Ruhe, Konzentration ...und schafft seelische und körperliche Entspannung.
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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Atropos » So 25. Nov 2018, 21:05

Hallo Martin1983

an Nähmaschine lernen hatte ich auch schonmal gedacht... Nur hab ich da keinerlei Ahnung von, hast du dir das selber beigebracht?
(Und ja, faul, Simulant etc habe ich auch alles gehört. Herrlich wie andere Leute zu einem sind nur weil es ihnen gut geht. Als ob man sich das aussucht.)

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Wuslchen » Mo 26. Nov 2018, 13:09

Hallo Atropos,

auch völlig ohne jede Ahnung kann man sehr schnell kleine schöne Projekte mit der Nähmaschine verwirklichen! Ich hatte auch noch nie eine solche Maschine bedient, aber mir vor knapp 2 Jahren über ebay Kleinanzeigen eine Günstige erstanden zum üben.
Mithilfe von youtube Videos ging das dann ganz schnell und inzwischen bin ich richtig gut im nähen! :D
Du brauchst wirklich keine Angst davor zu haben, das kann wirklich jeder! Aber guck dir vor allem ein oder zwei Beiträge an über häufige und einfach zu vermeidende Fehler - das hat mir immens geholfen, mir nicht direkt jeden Spaß am Anfang zu verderben! *zwinkern*

Liebe Grüße
vom Wuslchen
Be good, be bad, just be!

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von TrippleO » Mo 26. Nov 2018, 13:25

Hallo ihr!

Man könnte meinen, dass gerade in der heutigen Zeit, wo so viel über Depressionen, Burnout und andere psychische Erkrankungen gesprochen wird, endlich so etwas wie Verständnis einkehren sollte. Wenn man schon kein Verständnis hat, sollte man doch wenigstens akzeptieren können.

Die meisten Menschen kennen die Leute in ihrem Umfeld doch schon ein wenig. Wie können sie behaupten, dass jemand, der plötzlich zusammenbricht, vorher aber immer präsent und fleißig war, plötzlich faul und unzuverlässig sei?

Es gehört sich nicht, dass man über andere ein Urteil fällt.

Was hält die Menschheit davon ab, zu fragen, was im anderen vorgeht?

Ich kenne das Problem mit den Vorurteilen. Vielleicht muss man die Menschen belügen. Vielleicht wollen sie aber auch die Wahrheit nicht hören. Manche haben vielleicht einfach nur Angst.

Ein Großteil der Menschen ist einfach ignorant. Ich erlebe das jeden Tag.

Noch eine gute Zeit
TrippleO

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Haddeline » Mo 26. Nov 2018, 16:34

Hallo TrippleO,

die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht, seitens von Kollegen, Vorgesetzten, ja sogar von vermeintlich guten Freunden.
Da kommen Kommentare wie " stell Dich nicht so an, andere schaffen das doch auch " oder " jeder hier hat viel Stress und Arbeit, wir jammern doch auch nicht " oder es wird nur genervt mit den Augen gerollt.
Ich glaube das Problem ist, dass man unsere BO-Symptome nur verstehen kann, wenn man selbst Betroffener ist. Keiner nimmt Dich ernst, wenn Du sagst, Dir reicht nicht mal mehr das Wochenende um Dich für die folgende Arbeitswoche zu erholen.
Ausserdem wollen v.a. Vorgesetzte nur eins, nämlich einwandfrei funktionierende Mitarbeiter. Wer Schwächen zeigt, dem bürdet man noch ein Päckchen mehr auf, vielleicht in der Hoffnung, dass der " Schwächling " im Team selbst das Handtuch wirft?
Andererseits kann ich diese Seite auch irgendwie nachvollziehen, aber wir sind Menschen und keine Maschinen.

Daher habe ich mich dazu entschieden, die Reissleine zu ziehen und nicht " mit den Füssen voran " aus dem Büro getragen zu werden.
Ob diese Entscheidung richtig ist, wird meine Zukunft zeigen.

Ebenfalls eine gute Zeit und viele Grüsse
Haddeline

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von TrippleO » Mi 5. Dez 2018, 14:41

Hallo Haddeline,

ich denke, deine Entscheidung ist richtig. Ich kenne das Gefühl, sich eine gute Geschichte für den Vorgesetzten zurechtlegen zu müssen. Wäre es nicht besser, wenn man sagen könnte: "Alter, ich war voll im Eimer, konnte nicht mehr schlafen und das Karussell im Kopf dreht sich unaufhörlich. Ich habe einfach gemerkt, ich kann nicht mehr.

Hallali
TO

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Mayke1 » Mi 5. Dez 2018, 14:59

Stimmt!
Habe ich heute auch wieder gemerkt.
Die Mail von meiner Chefin ist grad mal ne Stunde alt und zum Glück im Spam-Ordner gelandet. Er wird nach 1 Tag automatisch geleert. Wer sagt mir, dass ich im Krankenstand schulische Mails checken muss.

Ich weiß, dass demnächst wieder ein Gespräch mit der Schulleitung stattfinden wird. Aber dann bin ich auch schon wieder ein paar Tage weiter. Vielleicht nicht gesünder, aber doch reicher an Einschätzungsvermögen, wie es mit mir mal weitergehen wird und kann dann auch sachlich sprechen.
Bevor ich vor 2 Wochen akut krank geworden bin, hatte ich just 1 Tag zuvor, mit der Chefin ein persönliches vertrauliches Gespräch über meinen Zustand.
Es kam nur bei raus, dass ich nun wieder für Unruhe in der Schule sorge und sie mir eigentlich gar nicht glauben kann, weil ich doch jeden Tag pünktlich auf der Arbeit bin und diese auch erledige.
Dies habe ich meinem Arzt gesagt. Er meinte, klar, wenn man sich immer mit dem Kopf unterm Arm in den Betrieb schleppt, wird niemandem klar, dass man eigentlich krank ist. Er hat mich auf Dauer krankgeschrieben.

Meine erneute Krankmeldung schicke ich per Post zu und weigere mich, mit der Chefin zu reden.
LG von Mayke

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Mayke1 » Mi 5. Dez 2018, 15:04

Kurze Ergänzung noch:
Klar, dass eine Schulleitung in erster Linie den reibungslosen Ablauf sehen möchte.
Wer aber so wenig wertschätzend uns Lehrern gegenüber eingestellt ist wie sie,
dann darf sie sich nicht wundern, wenn ein Gespräch ( ich darf ablehnen)
nicht gewünscht wird.
Machts alle gut!
Mayke

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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von Samson » Sa 8. Dez 2018, 11:14

Klingt jetzt wieder neutral und doof, ich weiß schon ... Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, den anderen offen zu erklären, was los ist. Meist schwenkt die herablassende Betrachtung schnell in Interesse um, denn eigentlich kennt jeder Erschöpfung und Ausgelaugtheit.

Schade ist, dass man das bisweilen noch immer nicht zugeben kann, ohne sich selbst eine kritischen Betrachtung auszusetzen.

Wichtig ist, dass häufig viele "mit schuld" sind. Man muss auch einem Vorgesetzten sagen dürfen, dass er vielleicht das Problem hätte verhindern können. Aber es ist für diesen auch schwer, das Problem zu erkennen. Der Betroffene arbeitet ja bis zum letzten Tag meist wie ein irrer und identifiziert sich auch mit seiner Leistung.

Also darf man wohl auch die Sicht anderer nicht verteufeln. Ich kenne beiden Seiten sehr gut und bin daher hin und hergerissen. Ich verstehe Euch alle und kann es absolut nachempfinden. Vielleicht müssen wir aber auch an unserem eigenen Umgang mit BO arbeiten und selbst offener damit umgehen?

jedi
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Re: Nicht auf Verständnis anderer hoffen

Ungelesener Beitrag von jedi » Sa 8. Dez 2018, 20:06

Hallo zusammen !

"Nicht auf Verständnis anderer hoffen", sind nicht selten des öfteren gemachte schmerzliche erfahrungen u. gedanken, bei einer großen anzahl von BO-/Depressiv-erkrankten.
gerade schon deshalb, weil das selbstwertgefühl, gerade am beginn einer solchen erkrankung, sich nun nicht im grünen bereich befindet.
unverständnis, gutgemeinte ratschläge, die eher wie schläge wirken u. oberflächliche bewertungen, hinterlassen dabei nicht selten ein gefühl der ohnmacht u. des sich alleinseins.
verständnis kann meiner persönlichen meinung nach, nur jemand aufbringen, der verstanden hat bzw. verstehen kann u. möchte,
wie ein BO (Erschöpfung) u. eine Depression sich auf einen erkrankten menschen auswirken kann.
seine gedanken u. empfindungen zu benennen, ist sehr oft nicht einfach, gar den umständen geschuldet, dass wir uns selbst oft nicht verstehen können.

ich denke, dass allein ein mitfühlen da, durchaus reicht u. hilfreich sein kann.
(nicht zu verwechseln mit mitleiden, dass so gar nicht hilfreich wäre)
sind so meine gedanken, die mir zu diesem thema gekommen sind.

LG jedi

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