Burnout und Beziehung möglich?

... in Bezug auf den Umgang mit Angehörigen, Freunden und Kollegen ...
Madl
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Burnout und Beziehung möglich?

Ungelesener Beitrag von Madl » Di 12. Jan 2016, 13:58

ich fang jetzt einfach mal von ganz vorn an..

Anfang Dezember habe ich auf einer Feier einen Mann kennen gelernt, mit dem ich mich den ganzen Abend gut unterhalten habe. Als ich mich verabschiedete fragte er nach meiner Nummer, kurz drauf meldetet er sich auch schon.

Wir hatten sieben Dates (kletter, Therme, DVD, kochen..), von denen die meisten von ihm aus gingen.

Nach dem siebten Date übernachtete ich dann auch bei Ihm, alles war ganz normal. Zwei Tag später schrieb er mir eine Nachricht in der Stand dass er mich total toll findet und super gern mit mir Zeit verbringt aber er mich in nichts mit hineinziehen will, momentan im seinem Leben alles schief läuft und er ein Langweiler ist ohne Lust und Antrieb.

Ich lies nicht locker und wollte wissen was los ist. Daraufhin gestand er mir dass er an Depressionen/Burnout leidet und schrieb mir dann in einer Nachricht wie es dazu kamm und dass er mich nicht damit belasten will.

Daraufhin nahm ich mir einen Tag Auszeit um mir zu überlegen wie es weiter gehen soll. Mir ist klar dass es eine schreckliche Krankheit ist und es mit Sicherheit nicht einfach ist aber was soll man dagegen machen wenn man sich bereits verliebt hat. Deshalb schrieb ich Ihm eine Nachricht in der ich ihm sagte dass ich ihm nicht aus dem Loch heraus helfen kann, jedoch werde ich Ihn unterstützen soweit ich kann und ich es versteh dass er erst wieder mit sich im reinen sein will bevor er sich auf eine Beziehung einlässt. Ich hatte aber das Gefühl als würde er mir dass nicht glauben. Was ich wiederum verstehen kann, da er sehr enttäuscht wurde (seine EX ist mit ihrem Chef durchgebrannt).

Deshalb wollte ich es Ihm beweisen dass ich für ihn da bin. Packte meinen Hund ein kaufte Schokolade und fuhr zu ihm ohne Ankündigung. Er war total baff. Ich stand dann einfach vor der Tür und fühlte mich wie eine Verrückte. Als er die Tür öffnete sah man ihm die Freude an. Wir gingen eine kleine Runde spazieren, danach fuhr ich wieder Heim. Zum Abschied sagte er "komm her ich muss dich drücken", was mich richtig freute. Zwei Tage später schrieb ich Ihm ob er etwas unternehmen möchte, da er sich aber zu schwach dafür fühlte fuhr ich einfach zu ihm und wir schauten zusammen Fernsehe. Ohne dass ich eine Anspielung machte fing er an über seine Krankheit zu sprechen und wie es dazu gekommen ist. Für mich was das ein Beweis dass er mir vertraut. Wir unterhielten uns sehr lange darüber. Er erzählte dass er einfach gerne wieder in die Arbeit gehen würde aber einfach keinen Antrieb hat, sich Aufgaben vornimmt und nichts draus wird, dass die Therapie nicht so läuft wie er sich dass vorgestellt hat, er nicht weiß wie sein Leben weiter laufen soll. Ich hab ihm gesagt dass es gut ist Hilfe anzunehmen und ich es gut finde dass er seine sozialen Kontakte pflegt, auch wenn er sagt es ist für ihn eine Überwindung.

Am nächsten Tag schrieb ich ihm was er so macht bei dem Wetter (es regnete aus Eimern). Daraufhin antwortete er wieder sehr mit Selbstzweifel "lieg nur an Sofa rum, wie immer.. was soll ich sonst machen". Ich schlug ihm vor dass wir eine Runde spazieren gehen, er kann dann zu mir und wir gingen eine Stunde spazieren und unterhielten uns über banale Dinge. Zum Abschied nahm er mich wieder in den Arm und sagte "bis zum nächsten mal" ich bilde mir ein dass er versanden hat dass ich es ernst meine Ihm beizustehen.



Was sagt Ihr zu der Situation? Hat es Sinn?

Ich wenn gleich beim kennenlernen davon gewusst hätte, hät ich Abstand genommen. Weil ich schon mehrere Erfahrungen mit Depressiven gemacht habe und ich ein sehr feinfühliger Mensch bin der sich alles sehr zu Herzen nimmt. Jetzt habe ich ihn aber schon so gut kennen gelernt dass ich ihn eigentlich nicht mehr loslassen möchte und ich die Zeit die wir zusammen verbringen sehr genieße.



Vielleicht habt ihr ja auch schon solche Erfahrungen gemacht und könnt mir darüber berichten?

Ich habe schon endliche Foren und Internetseiten durch, beschäftige mich fast Tag und Nacht damit.

Wobei ich auch gut Abstand zu dem ganzen finden kann wenn ich meinem Hobby nachgehe.



Vielen Dank im Voraus!

jedi
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Re: Burnout und Beziehung möglich?

Ungelesener Beitrag von jedi » Di 12. Jan 2016, 20:35

Hallo Madl !

Burnout und Beziehung möglich ?
von mir ein ganz klares "Ja" !

du praktizierst es doch schon gerade.
Madl hat geschrieben:was soll man dagegen machen wenn man sich bereits verliebt hat.

gebt euch zeit, die langsamkeit, wertschätzung, geduld und lasst gegenseitliches vertrauen wachsen.
euch noch besser kennen zu lernen und die junge liebe zu pflegen.

Madl hat geschrieben:Daraufhin gestand er mir dass er an Depressionen/Burnout leidet

toll und ein großer vertrauensbeweis. fällt vielen BOlern nicht leicht darüber zu sprechen.
Madl hat geschrieben:Mir ist klar dass es eine schreckliche Krankheit ist

aber sie ist auch gut behandelbar und er hat ja auch schon die nötigen hilfen angenommen.
Madl hat geschrieben:Was ich wiederum verstehen kann, da er sehr enttäuscht wurde (seine EX ist mit ihrem Chef durchgebrannt).

depressionen/burnout und verlust des partners, dass ist eine ganz enorme lebenskrise eines jeden betroffenen menschen.
wenn man schon möglicherweise verlust des selbstvertrauen durch depression/burnout erlitten hat, braucht ein solcher mensch,
der dann auch noch die partnerin verliert, eine längere zeit, um sich selbstvertrauen u. vertrauen zu einem neuen menschen zurück zu erobern.
Madl hat geschrieben:Ich wenn gleich beim kennenlernen davon gewusst hätte, hät ich Abstand genommen.

warum ?
so wäre dir ein liebevoller mensch entgangen.
Madl hat geschrieben:Weil ich schon mehrere Erfahrungen mit Depressiven gemacht habe

du siehst ja, alle menschen(depressive) sind unterschiedlich und so sollte man den menschen auch begegnen.
Madl hat geschrieben:Jetzt habe ich ihn aber schon so gut kennen gelernt dass ich ihn eigentlich nicht mehr loslassen möchte und ich die Zeit die wir zusammen verbringen sehr genieße.


das wünsche ich dir/euch, dass es noch lange so bleibt.
hör auf dein herz, dann kann alles gut werden !

LG jedi

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Re: Burnout und Beziehung möglich?

Ungelesener Beitrag von alpenhorn67blazer » Mi 13. Jan 2016, 12:14

Hallo Madl,

was du schilderst hört sich in meinen Ohren ziemlich traumhaft an.

Ob das ganze für Euch ein Happy-End haben kann hängt meiner Ansicht nach von so vielen Faktoren ab dass du dir im klaren darüber bist dass es hier auf dem Forum zu deiner Frage

Hat es Sinn?


nur wilde Mutmassungen geben kann.
Da jedi ja schon die Aufgabe des Fürsprechers übernommen hat, erlaube ich mir auch ein paar kritische Töne dazu abzugeben.

Weil ich schon mehrere Erfahrungen mit Depressiven gemacht habe und ich ein sehr feinfühliger Mensch bin der sich alles sehr zu Herzen nimmt.


Es wundert mich sehr dass du schon so viele Erfharungen mit Depressiven hattest, du schreibst nicht ob diese sehr negativ waren. Waren es Depressive in deiner Familie (Eltern, GEschwister) oder frührere Beziehungen?

Wenn du sehr feinfühlig/sensibel bist und dich leicht mit runter ziehen lässt weisst du natürlich dass du mit dem Feuer spielst.
Ich lese gerade



und erlebe auch in meinem Freundschaftskreis wie ein Paar gerade mit der Depression kämpft und gebe ehrlich zu dass ich die Geduld/Kraft die mein Freund seiner depressiven Freundin gegenüber aufbringt, nicht hätte. Die beiden sind seit über 10 Jahren ein Paar und wirklich durch dick und dünn gegangen, aber wenn sie alle 2-3 Jahre einen depressiven Schub hat ist das jedes mal erneut wieder eine Belastung und bringt auch ihn an seine Grenzen.

Aber zusammen sind sie nach wie vor. Es ist halt oft kein Zuckerschlecken.
Zuletzt geändert von Samson am So 6. Mär 2016, 06:59, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Buchlink eingefügt

Madl
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Re: Burnout und Beziehung möglich?

Ungelesener Beitrag von Madl » Mo 14. Mär 2016, 13:42

Vielen, vielen Dank für eure Worte!

Er befindet sich jetzt seit letzen Mittwoch auf einer Reha. Ich hoffe dass es ihm gut tut. Momentan leide ich ziemlich darunter, da er erzählt dass er sich nicht wohlfühlt auf der Reha.
Ansonsten haben wir momentan nicht sehr viel Kontakt seitdem er auf Reha ist. Den Tag vor der Abreise wollte er aber noch mit mir verbringen.
Bin momentan einfach durch den Wind. Mir ist aber klar dass er jetzt vielleicht einfach mal Zeit für sich braucht, und ich Gedult haben muss.

hopeful11
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Re: Burnout und Beziehung möglich?

Ungelesener Beitrag von hopeful11 » Fr 4. Jan 2019, 16:36

Hallo, darf ich fragen, wie es bei euch ausgegangen ist?

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