Wie ist das mit der Angst???

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
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ketchupbaby
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Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von ketchupbaby » Di 27. Nov 2018, 11:29

Mein Man sagt immer wieder, er hätte solche Angst gehabt!
Existensängste (Geld verdienen zu müssen), Angst nicht stark genug zu sein für mich bzw uns, Angst zu versagen.

Wenn ich das dann höre, fühle ich mich schuldig.
Aber ich habe ihm ja nie Vorwürfe gemacht oder gesagt das es mir an irgenwas fehlt, im Gegenteil, ich habe ihm noch gesagt "glaubst du nicht das, dass alles ein bisschen viel wird?"

Es heißt ja immer man soll sich von dem Trennen was einem nicht gut tut, bin ich das dann in dem Fall von meinem Mann?

Er behauptet "Nein", dass war er selbst.

Ich fühle mich aber manchmal so, weshalb sollte er den sonst solche Angst gehabt haben mir nicht alles bieten zu könne, ich habe es doch nie erwartet und bin auch nicht so eine Frau die wert auf Materielles legt, mir war die Gesundheit und Familie schon immer wichtiger!

Ich verstehe nicht wie sich solche Ängste entwickeln konnten!

???????

selbstbetroffen
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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von selbstbetroffen » Di 27. Nov 2018, 16:38

Hallo ketchupbaby,

ich antworte mal, weil ich glaube, dass ich, was Ängste betrifft, ein echter Profi bin. Gut ich gebe zu, nicht unbedingt sie zu lösen, eher sie zu entwickeln. Erstmal aber möchte ich dich beruhigen. Es gibt Menschen, die sind sorgenvoller, die haben hohe Ansprüche an sich selbst. Diese zu erfüllen ist ein großes Ziel in ihrem Leben. Das liegt nicht daran, was andere Menschen erwarten, es liegt daran, was sie von sich selbst erwarten. Vielleicht ist dein Mann ähnlich. Er wollte stark sein für die Familie, er wollte nicht versagen, er wusste, dass er das Geld verdient, zumindest habe ich das so verstanden. Er hatte Angst zu versagen, er entwickelte vielleicht daraus seine Existenzängste, was wenn er krank ist, was wenn er vielleicht mal arbeitslos wird, solche Dinge. Das hast du ihm nicht abverlangt, deswegen musst du dich nicht schuldig fühlen. Wer hat von Trennung etwas gesagt? Vielleicht sollte sich dein Mann trennen, vom hohen Maßstab, den er an sich selbst hat. Aber ich weiß, dass das ein langer Weg ist. Ich weiß wenig über die Situation, denke aber, dass es etwas mit den Lebensmustern deines Mannes zu tun hat, wenn er diese Ängste entwickelt, ohne, dass zu hohe Ansprüche an ihn gerichtet werden. Lebensmuster zu ändern, das dauert, hat ja auch gedauert, bis man ihnen folgte. Also erstmal ruhig bleiben, reden, wenn das möglich ist, sagen, was einem auf der Seele liegt.
Hoffe das hilft dir ein bisschen
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ZeroOne
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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Di 4. Dez 2018, 11:38

Hi ketchupbaby!
ketchupbaby hat geschrieben:
Di 27. Nov 2018, 11:29
Wenn ich das dann höre, fühle ich mich schuldig.
Das solltest du auf keinen Fall tun!!! Oft suchen die Betroffenen von psychisch Erkrankten die Schuld bei sich - das ist aber überhaupt nicht der Fall!!! Seine Ängste wären auch ohne dich da und würden ggf. in eine andere Richtung laufen.

Ängste sind nicht rational, schwer erklärbar und helfen dem Betroffenen nie weiter. Das kann so viele Facetten haben - gerade Existenzängste: der Eine ist reich und hat die gleiche Panik, dass sein Klopapier ausgehen könnte, wie ein Anderer, der täglich Angst bzgl. ausreichend Nahrung hat.

Hat dein Mann denn schon kompetente Hilfe aufgesucht? Vielleicht kann auch eine (ergänzende) Paartherapie für euch beide interessant sein?

LG
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ketchupbaby
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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von ketchupbaby » Di 4. Dez 2018, 13:03

Er ist in Behandlung!
Im moment geht es ihm auch gut!
Wieso oder woher kommt den die extreme Angst?
Es gibt ja eigentlich keinen Anlass dafür!?

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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von Belgis » Di 4. Dez 2018, 13:31

Hallo Ketchupbaby,

woher solche Ängste kommen ist eine gute Frage. Ob es eine rationale Erklärung dafür gibt? Veilleicht sind die Ängste auf Erlebnisse/Traumata/... aus der Kindheit oder früherer Erlebnisse zurückzuführen. Für dich als Angehörige, die selber diese (grundlosen) Ängste nicht kennt, ist es schwierig das nachzuvollziehen.

Dein Mann weiß vielleicht auch selber, dass seine Ängste "Quatsch" sind. Geht mir selber ähnlich. Ich habe auch eine Angststörung und habe ständig vor Dingen Angst, um die sich normale Menschen überhaupt keine Gedanken machen. Z.B. habe ich ständig Angst, dass wenn ich nach Hause komme, dass ich einen Wasserschaden habe etc. Das ist definitiv nicht normal. Normale Menschen gehen nach Hause und freuen sich auf Entspannung. Ich hab Angst...

Wichtig ist auch, dass du dich in gewisser Weise davon abgrenzen kannst. Du allein kannst die Ängste deines Partners nicht heilen. Gut, dass er inzwischen in Behandlung ist.

Liebe Grüße

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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Di 4. Dez 2018, 13:58

Hi ketchupbaby!
ketchupbaby hat geschrieben:
Di 4. Dez 2018, 13:03
Wieso oder woher kommt den die extreme Angst?
Ob man das im Einzelfall immer so genau festmachen kann??? Dazu wurden schon Tonnen an Arbeiten verfasst und Forschung betrieben...

Nur ganz kurz und oberflächlich: generell weiß man, dass Prädisposition eine wichtige Rolle spielt (Erbgut, das man mit in die Wiege bekommt), aber nicht der Auslöser, sondern nur die Basis (Nährboden) ist. Ebenso Prägung/Erziehung/Kindheit (z.B. Waren die Eltern und das Umfeld ängstlich? Wie wurde der Umgang mit Problemen vorgelebt? Bildungsstarkes oder -schwaches Umfeld? Früher Tod oder Verlust eines Elternteils/Geschwister, etc...). Auch Fehlfunktionen im Gehirn können eine Rolle spielen (Stichwort: Serotonin).

Die eigentlichen Auslöser (traumatischen Erlebnisse) können erst Jahre/Jahrzehnte auftauchen: z.B. Verlust/Tod des Partners oder der Kinder, unerwartete Erkrankungen/Unfälle, (chronische) Überlastung, innere Konflikte, Arbeitslosigkeit (auch im Umfeld), generell schlechter werdene Bedingungen am Arbeitsmarkt, etc.

Das sind nur wenige von ewig vielen Möglichkeiten... Auch kann eine Angstörung "nur" rein körperliche Ursachen haben, z.B. durch Entwicklung einer Herzerkrankung, Durchblutungsstörung, Schildrüsenfehlfunktion, hormonelle Probleme, etc.

Rein körperliche Ursachen können meist schnell behandelt werden. Bei traumatischen Ursachen ist die Frage, ob man wirklich (tiefen-)psychologisch der Ursache exakt auf den Grund kommen kann und muss, oder ob es vielleicht ausreicht, mit einer Verhaltenstherapie Abhilfe zu schaffen?

LG
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Re: Wie ist das mit der Angst???

Ungelesener Beitrag von Samson » Sa 8. Dez 2018, 11:01

Hallo zusammen,

bitte entschuldigt, ich habe nur den Frage gelesen. Es gibt ja schon einige Antworten. Dennoch möchte ich einen Erfahrungswert beitragen: Wir haben zwei Katzen. Zur Zeit ist es draußen matschig. Wenn sie rein wollen, müssen sie kurz "Füße-Waschen". Wir machen sie mit einem feuchten Tuch an den Pfoten etwas sauer, sonst schaut die ganze Hütte aus wie ein ....

Jedenfalls mögen sie das nicht. Jetzt huschen sie immer durch die Tür, denn Tür ist böse. Dort möchte man sie nämlich fangen und ihnen dieses Ungemach antun. Sind sie erstmal drin (mit der zu erwartenden Sauerei), dann lassen sie sich hoch nehmen und sauber machen. Aber die Türe, die ist böse.

Was ist passiert? Sie haben etwas falsch verknüpft. Das ist ein häufiges Phänomen, auch bei Menschen. Vielen Betroffenen geht es so, dass sie ihr "Versagen", nämlich zu erkranken, auf sich selbst beziehen. Sie sind nicht stark genug, haben vielleicht sogar versagt. Diese Form der Missattribution muss man ihnen darlegen, denn sie zweifeln jetzt an ihrer eigenen Belastbarkeit und Verlässlichkeit. Sie brauchen jetzt Hilfe und jemanden, der ihnen das erklärt.

Vielleicht passen diese Gedanken auch zu diesem Problem. Dein Mann braucht Dich jetzt und ich bin sicher, jedes Gespräch hilft ihm weiter.

Herzliche Grüße
Samson

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