Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
UnsicherheitPur
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Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von UnsicherheitPur » Do 22. Nov 2018, 22:36

Hallo zusammen,
Wie so viele melde ich mich hier, weil ich nicht mehr weiter weiß.
Mit meinem Mann bin ich seit 5 Jahren verheiratet, zusammen sind wir aber schon 22 Jahre.
Letztes Jahr kam unser Sohn auf die Welt.

Mein Mann ist, seitdem ich ihn kenne, ein hart arbeitender Mensch, der die Karriereleiter ziemlich rasant hochgeklettert ist.
Sein Job hat ihm Spaß gemacht und er war auch wirklich gut darin - ist er noch immer.
Allerdings hat es schon vor mehreren Jahren begonnen, dass er immer weniger Freude empfunden hatte, und seinen Job immer mehr als notwendig empfunden hat, um genug Geld zu verdienen.
Er wollte immer viel verdienen, um uns gemeinsames Eigentum, am liebsten ein Einfamilienhaus mit Garten, schaffen zu können.
Das ist ihm auch vor 3 Jahren gelungen, es wurde aber kein eigenes Haus, sondern „nur“ eine Wohnung mit Garten. Dafür aber in sehr schöner Lage.
Es wurde immer schlimmer für ihn, und er hat auch immer wieder gesagt, dass er nah am Burn Out ist, aber er möchte den Job noch etwas länger machen, damit er mehr Geld sparen kann.
Professionelle Hilfe hat er aber leider immer abgelehnt, grundsätzlich stand er Ärzten und Psychologen im Besonderen immer sehr skeptisch gegenüber.
Aber sein Verhalten verschlimmerte sich immer mehr.
Er war oft sehr schlecht gelaunt und er hatte bei Diskussionen meistens eine kurze Zündschnur...
Leider kam es schon vor einigen Jahren zu Handgreiflichkeiten (die sich bis heute kontinuierlich gesteigert haben).
Ich blieb aber bei meinem Mann, da ich der Meinung war, dass es ihm wieder besser gehen würde, sobald er diesen Job nicht mehr hat. Und dieser Meinung war er auch...

Dann kam unser Sohn auf die Welt, sein Start in diese Welt war leider etwas schwierig und hat uns auch viel Kraft gekostet und leider war dann das letzte Jahr auch das Schlimmste... viele ekelhafte Streits, die Handgreiflichkeiten waren das ein oder andere Mal schon wirklich bedenklich und mein kleiner Sohn bekommt das alles auch mit 😢.

Im August ist es dann eskaliert und ich bin mit nennen Sohn von zuhause weggelaufen.
Mein Mann hat es aber geschafft uns wieder zurückzuholen.
Im Endeffekt hat er sich deswegen mal untersuchen lassen und das Ende vom Lied ist: schweres Burnout und Depressionen.
Gestern hatte er seine erste Therapiesitzung, aber seit damals ist bei mir nichts mehr wie vorher.
Ich kann mit dieser Diagnose und seinem Verhalten einfach nicht umgehen.
Er hat mal gute Tage, wo er was mit uns gemeinsam machen möchte und auch lieb und nett ist und dann wieder Tage, wo ich ihm nichts recht machen kann, alles falsch mache und er nur beleidigt und mich runtermacht.
Und das macht mich einfach nur fuchsteufelswild und so kommt es momentan fast täglich zu Diskussionen und Streitereien.
Er möchte von mir Verständnis, weil er so krank ist und ich muss alles ertragen was er mir so vor den Latz knallt.
Ich gebe den ganzen Tag Vollgas für unser Kind - ich kümmere mich fast allein um ihn - und kann mir dann von meinem Mann anhören, dass ich ihm nicht helfe und ihn nicht mit seiner Krankheit unterstütze.
Und ehrlich gesagt weiß ich nicht wie! Ich hab die Kraft dazu einfach nicht und leider empfinde ich auch kein großes Mitgefühl für ihn, obwohl das sicher angebracht wäre.

Außerdem mache ich mir solche Sorgen um meinen Sohn, der alles so hautnah mitbekommt und ich nicht will, dass sein ganzes weiteres Leben von diesen ersten 1 1/2 Jahren geprägt wird.

Ich bin seit dem ersten Mal im August auch schon wieder einmal geflüchtet, aber auch da hat mein Mann es geschafft mich zu überreden nachhause zu kommen.

Eigentlich würde ich am liebsten mit meinem Sohn alles stehen und liegen lassen und verschwinden (sehr kaltherzig, ich weiß), aber andererseits kann ich meinen Mann in dieser schweren Zeit nicht allein lassen - allerdings weiß ich nicht ob es wirklich besser ist, da ich einfach nicht weiß wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.
Zumal er immer mit dem Argument kommt, dass er nur wegen uns jetzt dieses Burnout hat, weil er uns ja dieses Eigentum schaffen wollte damit wir eine Familie gründen können.
So hat er mir gegenüber auch ein gutes Druckmittel - er hat sich jahrelang für mich abgerackert und ist deswegen schwer krank, und ich soll jetzt quasi all das ertragen.

Ich weiß einfach nicht weiter...
Hat hier jemand einen Rat für mich?

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Mayke1 » Fr 23. Nov 2018, 11:04

Deine Geschichte berührt mich sehr, weil ich bei deiner Schilderung mich selber sehe. Wobei ich diejenige bin, die BO und Depressionen hat und ich damit meinen Mann alle paar Tage in Verzweiflung stürze. Durch Zeilen wie deine bin ich heute abermals aufgerüttelt worden, nicht nur mich in meinem Leid sondern auch daran zu denken, wie es meiner Familie geht.
Am Anfang der Therapie bemerkt ihr beide sicherlich noch keine Erfolge. Ich bin auch der Meinung, dass nicht nur dein Mann Hilfe braucht sondern DU AUCH. Raus aus der Situation ist nicht kaltherzig sondern eine Schutzmaßnahme. Für deinen Mann ist eine stationäre Behandlung so wichtig. Er kann sich in seinen depressiven Episoden wahrscheinlich sich selber nicht steuern. Von mir selber weiß ich auch, dass man die Notwendigkeit zu Reha und Medikation oft gar nicht an sich ranlassen mag.
Fasse einen Entschluss, geh zu deinem Hausarzt oder wende dich an eine andere Beratungsstelle und du wirst für DICH und euren Sohn erst einmal weiterkommen und mit euch dann auch dein Mann. Es ist immer so leicht gesagt...
Fühl dich hier im Forum willkommen, wahr- und ernstgenommen!
Viele Grüße von Mayke

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Blume71 » Fr 23. Nov 2018, 20:17

Hallo,
herzlich Willkommen!

Schön, dass Du den Weg hierher gefunden hast. Ich möchte Dir raten, etwas für Dich zu tun. Das Verhalten Deines Mannes ist nicht tragbar. Verzeih mir, dass ich so direkt bin, aber , dass es zu Handgreiflichkeiten kommt, ist mit keinem Burnout der Welt erklärbar bzw verzeihlich. In jeder Stadt gibt es Vereine, die Frauen in Deiner Situation beratend u kostenlos zur Seite stehen. "Frauen in Not eV" oder "Frauennotruf". Bitte vereinbare einen 1. Termin - man kann Die sicher helfen. Tue es für Dich und vor allem für Deinen Sohn! Es gibt Hilfe u einen Ausweg!

Alles Gute!
Lass es doch einfach mal laufen.....das Leben!

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Wuslchen » Fr 23. Nov 2018, 21:07

Hallo UnsicherheitPur,

erstmal herzlich Willkommen im Forum!

Ich möchte mich der Blume anschließen, beim lesen deines Beitrages bekam ich Bauchschmerzen.

Da ihr euch schon so lange kennt, habt ihr zwar einerseits sicher eine besondere Beziehung, andererseits klingt dein Verhalten zweimal wieder zu ihm zurückzukehren nach einer starken emotionalen Abhängigkeit. Du scheinst seit sehr jungen Jahren mit ihm zusammen zu sein, da fehlt vermutlich die Fähigkeit einer objektiven Betrachtung der Situation.
Daher war es sicher schon mal gut, dass du dich bereits getraut hast ihn zu verlassen. Die Frage ist natürlich wo du dann warst. Wie Blume schon schreibt empfiehlt sich hier eine spezielle Anlaufstelle wie Frauenhäuser etc. Die Familie ist nicht immer der sichere Ort, da du dort auch für ihn auffindbar und erreichbar bist. Aber einmal komplett raus und keinen Kontakt wäre sicherlich besser.

Was mich zu dieser Überzeugung bringt ist, dass du in beschönigender Weise von den Übergriffen deines Mannes sprichst. Es gab "Handgreiflichkeiten" und diese "das ein oder andere Mal schon wirklich bedenklich". Innerlich wehrst du dich dagegen es als solches anzuerkennen was es ist. Wenn er dich schlägt, dann schlägt er dich. Wenn es mehrfach passiert ist, dann lässt sich das auch nicht mehr mit Erklärungen geradebiegen.

Euer Sohn bekommt es mit, er hat es schon erlebt und es wird wieder und wieder passieren. Und je öfter du das mit dir machen lässt, desto häufiger und schlimmer wird es werden, da die Hemmschwelle bei deinem Mann immer mehr sinken wird, wenn er merkt wie einfach das geht. Das ist eine üble Abwärtsspirale, die euch da droht.

Aber ich will auch auf die Burnout Sache eingehen. Du schreibst, dass er dir das vorwirft. Warum? Hast du ihn bedrängt, dass er wertlos und schwach und unfähig ist, wenn du kein Haus mit Garten vorgesetzt bekommst? War es dein Wunsch? Oder hat er sich vielleicht selbst eingeredet euch das bieten zu wollen?
Natürlich ist ein Haus mit Garten toll, aber du schreibst, dass du auch mit der Wohnung jetzt sehr zufrieden bist. Also was sollen die Vorwürfe? Sie sollen dich psychisch unter Druck setzen, sonst nichts.
Dass er sich so lange geweigert hat zu Therapeuten o.ä. zu gehen, ist ebenfalls bedenklich. Denn selbst wenn er jetzt in Therapie ist, ist die Gefahr sehr groß, dass er aus einer Laune raus alles abbricht, oder bei einer Besserung so überzeugt davon ist, dass alles wieder gut ist, dass er auch aufhört damit. Beides ist leider ein Garant dafür, dass es nur schlimmer wird. Therapie ist langwierig und anstrengend und hat gute, aber auch wieder schlechte Phasen dabei.
Und ja, während so einer Zeit kann die Familie eine gute Stütze sein, aber das heißt doch nicht, dass du dich völlig aufgeben sollst deswegen!
Diese Vorwürfe, die er dir macht, sind absoluter Schwachsinn. Es war seine Entscheidung so zu arbeiten und Punkt. Kein Mensch kann etwas dafür, egal wie sehr du davon profitiert haben magst, wenn er das nicht gewollt hätte, hätte er es nicht tun müssen. Und da gibt es auch keinen Diskussionsspielraum.

Es gibt so einen schönen Vergleich, den ich gerne ziehe: im Flugzeug bei den Notfallerklärungen heißt es immer, dass man die Sauerstoffmaske zuerst sich selbst aufsetzen soll, bevor man Kindern und anderen hilflosen Passagieren hilft. Nur, wenn du selbst gefestigt bist, kannst du auch anderen helfen. Und das gilt ganz besonders im Psychischen.

Du willst einen Rat? Ich würde dir empfehlen zwei Dinge zu tun:
1. schnapp deinen Sohn und geh in ein Frauenhaus oder eine vergleichbare Einrichtung
2. such dir selbst psychologische Hilfe

Nur so kommt für dich und deinen Sohn in die ganze Geschichte etwas Ruhe rein und nur so wirst du für dich das mentale Rüstzeug erlernen können, damit du in Zukunft mit solch emotionalem Terror umgehen, dich entsprechend abgrenzen und zur Wehr setzen kannst.

Puh, harter Tobak deinen Beitrag zu lesen. Ich hoffe ich bin dir mit meinen Worten jetzt nicht zu nahe getreten. Aber für deinen Sohn und für dich ist es wichtig, dass du jetzt vor allem auf dich schaust!

Ganz viel Kraft dabei und ich hoffe du hältst uns auf dem Laufenden!

Es grüßt
das Wuslchen
Be good, be bad, just be!

UnsicherheitPur
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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von UnsicherheitPur » Fr 23. Nov 2018, 22:13

Liebe Blume, liebes Wuslchen,

Vielen Dank für Eure Antworten.

Ich habe bemerkt, dass in meinem Post ein Fehler war, ich kenne meinen Mann seit 12 und nicht seit 22 Jahren.

Zu Wuslchens Frage: er wirft mir nicht direkt vor, dass er das Burnout nur hat, weil er sich für uns verausgabt hat.
Er weiß, dass er es sich selbst so ausgesucht hat und mich dafür nicht verantwortlich machen kann.
Er findet es von mir einfach nur unfair, dass ich ihn jetzt, wo er endlich diagnostiziert wurde und eine Therapie beginnt, verlassen will obwohl er quasi das alles auf sich genommen hat, damit es uns und somit auch mir besser geht.
Ich finde es ja selbst nicht fair von mir, wenn ich in seiner Lage wäre, dann würde ich es von meinem Partner auch erwarten, dass er mir da durchhilft und nicht das Weite sucht.

Ich habe für mich jetzt mal entschieden, dass ich versuche ihm so gut ich kann zu helfen, ohne meinen Sohn und mich aus den Augen zu verlieren.
Ich möchte auch Kontakt in einer Angehörigengruppe von Burnout-Opfern suchen um mich Face-to-Face auszutauschen.

Ich weiß aber nur nicht, wann ich wirklich die Reißleine ziehen kann und darf.
Mein Mann sagt ständig, dass ich ihm sein Grab schaufle, wenn ich ihn verlasse und ihm sein Kind wegnehme.
Somit ist da auch ein Stück weit Angst da, dass ich ihn komplett zerstöre, wenn ich mich entscheiden sollte ihn zu verlassen.

Eigentlich bin ich der Meinung, dass er auf jeden Fall eine stationäre mehrwöchige Therapie benötigt, aber momentan geht er 1x pro Woche zu einer Therapeutin und dass insgesamt 30 mal.
Laut seiner Aussage wissen alle Ärzte unf Therapeuten, dass er mir gegenüber gewalttätig war und dass er leider auch keinen gesunden Umgang mit Alkohol hat (er trinkt momentan leider sehr viel und ist dann auch bis spät in die Nacht wach bzw. teilweise bis
Morgens).
Ich verstehe nicht, warum diese Ärzte/Therapeuten nicht der Meinung sind, dass er aus dem Verkehr gezogen werden muss, damit er in dieser schweren Zeit seiner Familie nicht zu sehr zusetzt.
Eine Therapeutin meinte wohl, dass eine 6wöchige Reha zu empfehlen sei, man die aber auch zu einem späteren Zeitpunkt machen kann.
Ich würde mir ehrlich gesagt sehr wünschen, dass er stationär behandelt wird, aber er möchte das überhaupt nicht (eben nur, wenn de Therapeut das verschreibt).

Ich möchte einfach nur ein friedliches, glückliches, halbwegs unkompliziertes Leben mit meinem Sohn haben und das ist einfach mit meinem Mann nicht möglich.
Ab Januar geh ich wieder arbeiten und mein Mann ist auf jeden Fall noch bis Mai krankgeschrieben, möchte aber dann wieder arbeiten.
Ich weiß nicht, wie sich dass alles entwickelt, hoffe aber dass diese wöchentlichen Therapiesitzungen etwas Besserung bringen...

Lg, Unsicherheit

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Wuslchen » Sa 24. Nov 2018, 14:06

Liebe Unsicherheit,

über deine Antwort habe ich jetzt lange nachgedacht.

Ich kann hier natürlich nur auf das eingehen, was du uns erzählst. Mit diesen Informationen arbeite ich und versuche dir eine außenstehende Sichtweise aufzuzeigen.

Was ich sehe ist ein Mann, der es sehr gut geschafft hat seine Frau psychisch zu manipulieren. Denn auch dir anzudrohen, dass er sich etwas antut, wenn du ihn verlässt ("er sagt ständig, dass ich ihm sein Grab schaufele, wenn ich in verlasse und ihm sein Kind wegnehme") ist emotionale Erpressung vom Feinsten und so etwas macht mich stinkwütend. Damit bringt er dich nämlich quasi zu allem. Aber er ist selbst für sein Leben verantwortlich und nicht du. Natürlich hing die Entwicklung mit eurer Beziehung und damit, dass er dich und euch glücklich machen wollte, zusammen. Versteh mich nicht falsch, das ist schon klar.
Aber jetzt in der Vergangenheit zu graben und infolge dessen mit dem Finger als Schuldigen auf dich zu zeigen und dir als Schlussfolgerung noch mit Suizid zu drohen steht in absolut keinem Verhältnis zu irgend etwas. Das ist einfach eine miese Erpressung und sonst nichts. Tut mir leid, aber das sehe ich so und nicht anders.

Und dann kommt noch die Tatsache, dass angeblich seine Ärzte und Therapeuten von seinen Gewalttätigkeiten und seinem Alkoholkonsum wissen, aber keiner Handlungsbedarf sieht.
Wenn dem so ist, dann hat er entweder gleich mehrere blinde Fachkräfte erwischt, oder - was wesentlich wahrscheinlicher ist - er war eben nicht so ehrlich wie er dir glauben macht. Und du kannst es nicht nachprüfen, wegen der ärztlichen Schweigepflicht. Schöne Situation für ihn.
Nein, ich will ihn nicht per se als das Böse darstellen, aber ich war selbst stark alkoholabhängig. Und glaube mir, du erzählst nicht wirklich wie viel du trinkst. Weil du dich so dafür schämst, dass du es immer kleiner redest, als es tatsächlich ist. Aber du bist überzeugt davon, dass das zugegebene Ausmaß schon an das hinkommt wie es tatsächlich aussieht.
Mit den Gewaltausbrüchen verhält es sich ähnlich. Mein Vater hat mich oft verprügelt und ich habe ihm das nie vorgeworfen, ich stehe sogar heute noch da und verstehe warum er so mit mir war; denn ich selbst hätte nicht gewusst wie ich mit mir in solchen Situationen anders hätte umgehen können an seiner Stelle. Kurzer Ausflug und ja, auch ich darf da sicher noch an mir arbeiten, weil mich das hundertpro mehr seelisch verletzt hat als ich es mir zugestehe. Worauf will ich hinaus?
Obwohl ich es ihm nie zum Vorwurf gemacht habe, spricht mein Vater heute von vielleicht ein oder zweimal, dass er die Hand gegen mich erhoben hätte. Das ist schlicht lächerlich. Aber er redet es sich schön, will es einfach nicht wahrhaben - natürlich, weil er sich in Grund und Boden schämt.
Glaub mir, das geht deinem Mann genauso. Denn würde er erzählen wie es wirklich ist, hätten Arzt und/oder Therapeut schon lange reagiert.
Ich möchte einfach nur ein friedliches, glückliches, halbwegs unkompliziertes Leben mit meinem Sohn haben und das ist einfach mit meinem Mann nicht möglich.
Naja, du sagst es doch selber.

Klar ist die Entscheidung die Reißleine zu ziehen verdammt schwer. Das schreibt sich hier alles so schön locker flockig. Hilfe nein, das ist übelst schwer.
Ich glaube auch, dass er dich emotional so im Griff hat, dass es dir wie Verrat vorkommt, wenn du ihn jetzt einfach verlassen würdest.

Aber du kannst etwas für dich tun: such dir selbst Hilfe. Denn selbst ohne Gewalt und Alkohol sind Burnout und Depressionen eines Partners auch eine extreme psychische Belastung für den "gesunden" Partner. Dir therapeutische Unterstützung zu holen kann nie verkehrt sein.

Weiter viel Kraft wünscht dir
das Wuslchen
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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von UnsicherheitPur » Sa 24. Nov 2018, 22:05

Liebes Wuslchen,

Vielen Dank für deine offenen Worte.
Dass es bei mir eine emotionale Abhängigkeit gibt, ist mir unterbewusst schon lange klar gewesen, wollte es aber so nie wahr haben.

Ich glaube eigentlich, dass ich eine ziemlich starke Frau bin, die ein Leben mit Kind aber ohne Mann ohne Probleme bewältigt.
Ich will ihn einfach nicht aufgeben, aber zur Zeit ist es einfach so, dass ich ihn nur noch als Belastung empfinde, der mir mein Leben so negativ beeinflusst dass ich mittlerweile keine wirkliche Freude mehr empfinde.

Wahrscheinlich ist therapeutische Hilfe für mich ein wichtiger Schritt, aber es fühlt sich gerade irgendwie falsch an.
Aber ich werde mich erkundigen, was für mich am besten wäre...
Irgendwie fühlt es sich bei mir auch wie ein Burnout an, aber ich funktioniere noch zu gut.
Immerhin muss ich für meinen Sohn da sein!

Es ist so verdammt schwer, ich hätte nie geglaubt, dass ich mal in so eine extreme Situation gerate.
Und momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sich alles mit der Zeit wieder bessert.

Danke fürs Zuhören, das tut gut...

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Wuslchen » So 25. Nov 2018, 00:03

UnsicherheitPur hat geschrieben:
Sa 24. Nov 2018, 22:05
Ich will ihn einfach nicht aufgeben, aber zur Zeit ist es einfach so, dass ich ihn nur noch als Belastung empfinde,
Und jetzt ganz ehrlich: wie willst du für ihn da sein, wenn du ihn nur als Belastung empfindest? Wie soll das funktionieren?
UnsicherheitPur hat geschrieben:
Sa 24. Nov 2018, 22:05
Es ist so verdammt schwer, ich hätte nie geglaubt, dass ich mal in so eine extreme Situation gerate.
Und momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sich alles mit der Zeit wieder bessert.
Ja, und auch wenn meine Situation eine vollkommen andere ist, so kenne ich diese Gedanken. Niemals hätte ich meinen eigenen derzeitigen Zustand für möglich gehalten. Das ist ja das Schlimme. Ich glaube daher tut es gerade so extrem weh. Man kann sich immer vorstellen, dass man sich mal ein Bein bricht o.ä., so ein Ereignis trifft einen daher nicht dermaßen tief. Aber so etwas? Nein, das kann sich wohl keiner ernsthaft vorstellen.
UnsicherheitPur hat geschrieben:
Sa 24. Nov 2018, 22:05
Danke fürs Zuhören, das tut gut...
Ja, ich weiß wie gut das tut. Gern geschehen.
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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von Blume71 » Di 18. Dez 2018, 18:25

Hallo liebe Unsicherheit Pur,

wie geht es Dir?

Lieben Gruß Blume
Lass es doch einfach mal laufen.....das Leben!

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Re: Ehemann mit schwerem Burn Out und Depression

Ungelesener Beitrag von UnsicherheitPur » Mi 2. Jan 2019, 14:21

Leider nicht wirklich besser - eher ist alles noch schlechter geworden...
Kurz vor Weihnachten war ich wieder davor, ihn zu verlassen, habe es aber wieder nicht geschafft.
Meinem Mann geht es immer schlechter - er ist so unglücklich und unzufrieden mit sich und allem anderen, es ist echt ein Graus.
Seit Silvester ist es besonders schlimm... er sperrt sich den ganzen Tag im Schlafzimmer ein und redet kaum was. Er ist mürrisch und schlecht gelaunt.
Dazu kommt, dass mein Sohn gerade eine extreme Mama-Phase hat. Er will nur bei mir sein und herumgetragen werden.
Sobald mein Mann ihm nur zu nahe kommt, fängt er an zu weinen und dreht sich weg. Das macht meinem Mann nochmal mehr zu schaffen und sagt, dass unser Sohn ihn nicht liebt und verkriecht sich noch mehr.
Ich beginne nächste Woche wieder zu arbeiten und bin an drei Tagen erst am späteren Nachmittag zuhause. In der Zeit sollte sich eigentlich mein Mann um ihn kümmern.
So kann das aber nicht funktionieren.
Mein Mann ist mittlerweile nicht mehr körperlich aggressiv, manchmal schimpft er mich noch oder meint ich schade ihm mit meiner Art. Er ist eigentlich nur mehr apathisch und geistig irgendwie nicht mehr da.
Seine Therapie bringt überhaupt nichts - er ist mit seiner Therapeutin auch nicht zufrieden.
Kann aber nur einmal wechseln und dann nicht mehr, so funktioniert das in seinem Programm.
Ich kann so einfach nicht mehr - aber mein Mann ist nur mehr ein Häufchen Elend und so kann ich ihn doch gar nicht verlassen??!!

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