Was soll ich tuen wie kann ich ihm helfen?

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
Ela1973
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Was soll ich tuen wie kann ich ihm helfen?

Ungelesener Beitrag von Ela1973 » Mi 24. Okt 2018, 12:46

Möchte kurz meine bzw. unsere Situation schildern. Wir sind seit 8,5 Jahren zusammen. Mein Partner ein absolutes Arbeitstier, wie habe ich immer zu ihm gesagt ich glaube du hast ein Helfersyndrom.
Arbeitet Vollzeit zzgl. Personalratstätigkeiten auf der Arbeit und darüber hinaus für jeden im Betrieb eine Anlaufstelle für Probleme und Sorgen. Nebenbei arbeitet er noch alle 14 Tage abends und das jeweilige Wochenende komplett für ein Abschleppunternehmen. In der Familie und für Freunde auch immer ein offenes Ohr und jederzeit bereit zur Hilfe.
Vergangenes Jahr viel ich durch ein tiefgreifendes Erlebnis in eine Depression, welche ich aber Gott sei Dank selber erkannt habe und mir Hilfe geholt habe. Als ich einige Wochen in Therapie war, traf mich der Schlag. Ich musste erkennen das mein Partner mir fremdging. Darauf angesprochen brach er mental völlig zusammen. Konnte und wusste sich selber nicht zu erklären wie ihm das passieren konnte. Seitdem muss ich leider sagen geht es bei ihm immer weiter bergab, arbeiten, arbeiten, arbeiten. Kein Interesse an Unternehmungen, Freunden etc. Wenn wir dann mal rausgehen dann ist seinerseits viel Alkohol im Spiel. Massive Stimmungsschwankungen, sowohl Privat als auch auf der Arbeit, Schlafstörungen, Gewichtszunahme...
Vor ein paar Wochen ist er zum Arzt weil er sich darüber wunderte das er bei der kleinsten Anstrengung völlig nass gewschitzt war. Der Arzt meinte nach einigen Untersuchungen es sei alles in Ordnung das könne Streß sein und er soll erstmal in Urlaub fahren.
Anfang Oktober waren wir noch gemeinsam in Urlaub, dann 3 Tage später traf mich der Schlag. Er meinte es sei wohl besser wir trennen uns, da er der Meinung sei wir seien zu weit auseinander und er würde mich nicht mehr so lieben wie am ersten Tag. Da wir gemeinsam in seinem Haus wohnen, ist die Situation aber nunmehr momentan so, das wir gesagt haben ok wir sind getrennt aber warten mal ab was passiert. Allerdings haben wir getrennte Schlafzimmer.
Die erste Woche, hatte ich den Eindruck er wusste nicht rechts noch links außer arbeiten. Dann vergangene Woche habe ich angefangen und versucht mit ihm zu reden über meine Gefühle, Ängste etc. Das hat bei ihm bewirkt das wir sehr gute Gespräche geführt haben, in denen wir sehr viele Missverständnisse der letzten Jahre aufdecken konnten was uns beide traurig gestimmt hat. Immer wieder haben wir die Situation das er urplötzlich kommt mich drückt und ihm sofort die Tränen in die Augen schießen. Er meine Nähe sucht und kuscheln oder Sex möchte. Er meint ich sei so eine tolle Frau usw.
Gestern meinte er dann zu mir ich werde immer dicker kann aber momentan nicht nein sagen beim essen. Kleinste Dinge wie Mails oder Sachen im Haushalt überlässt er komplett mir weil es ihn überfordert. Er liegt wenn er mal nicht arbeitet nur noch auf der Couch und schaut fern oder in sein Handy. Sein Gesichtsausdruck ist wie versteinert.
Im Februar haben wir die Hilfe einer Paartherapeutin in Anspruch genommen. Die wie er mir aber jetzt sagte überhaupt nicht sein Fall war. Er konnte es mir aber nie sagen. So sind wir also 8 Monate umsonst dorthin gegangen. Was sie gemacht hat war eigentlich hauptsächlich Druck auf ihn ausüben, in meinen Augen der völlig falsche Weg.
Ich weiß nicht mehr weiter. Versuche aber bei mir zu bleiben um nicht selber wieder in Gefahr zu geraten. Aber ich kann ihn auch keinesfalls jetzt sich selber überlassen. Von seiner Familie kann ich keine Hilfe erwarten. Da man schon in der Vergangenheit immer wieder mich vorgeschickt hat um irgendwas unangenehmes bei ihm anzusprechen. Das er vermutlich ein tiefgreifendes Problem hat sieht dort keiner. Alle sehen nur das Arbeitstier.
Ich danke Euch für Eure Ratschläge und Tipps oder einfach nur fürs zuhören.

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Re: Was soll ich tuen wie kann ich ihm helfen?

Ungelesener Beitrag von Ela1973 » Mo 29. Okt 2018, 06:52

Am Wochenende war es wieder eine absolute Achterbahnfahrt. Freitag kam er sturzbetrunken nach Hause. Alkohol ist mittlerweile ein sehr großes Thema bei ihm. Pro Tag mind. 3/4 Flasche Wein abends damit er schlafen kann. Samstag morgen dann hab ich ihm gesagt das ich Angst um ihn habe, das er sich zu viel zumutet, darauf meinte er wenn er zur Ruhe kommen würde hätte er das Gefühl durch zu drehen. ich konnte nichts mehr dazu sagen. Gestern ein wunderschöner Spaziergang mit unseren Hunden, bei dem wir viel geredet haben über uns, über unsere Vergangenheit etc. Rumgealbert (an einem winzigen Hügel kam er plötzlich und trug mich dort runter) wieder Zuhause angekommen, wieder ein absolutes Tief bei ihm und abends wieder die Flasche Wein. Es ist so schlimm da einfach zu zuschauen. Aber meine Therapeutin meinte ich kann nichts anderes tun als in ganz nach unten gehen zu lassen. Nur so kann er erkennen das irgendwas schief läuft. Er freute sich gestern schon wieder so aufs Arbeiten diese Woche. Ist wieder seine Bereitschaftswoche. In der er dann von 06:30 - 16:00 Uhr normal bei uns im Betrieb arbeitet und dann von 16:45 - 22 oder 23 Uhr nebenbei und das Wochenende dann voll durch.

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Re: Was soll ich tuen wie kann ich ihm helfen?

Ungelesener Beitrag von Mayke1 » Mo 29. Okt 2018, 09:19

Ja, liebe Ela, so kenne ich das auch!
Auch ich bekam von meiner Therapeutin, bei der ich schon lange lange vor meinem BO wöchentliche Klientin war und noch bin, es so gesagt: Wir selber können gar nichts tun, als den Partner niedergehen zu sehen UND dabei auf uns selber zu achten, dass wir nicht AUCH in ein völliges Tief fallen. Mein Partner, ebenfalls ein kreativer "Schaffer" und bereits vererbt mit gesundheitlichen Problemen behaftet, bekam einen neuerlichen heftigen Schub seiner Krankheit, dass er um etliche Arztbesuche nicht herumkam. Dort wurde auch sein Alkoholproblem schnell erkannt. Es reichte für meinen Partner allerdings der Hinweis, dass er nicht sehr liebevoll mit seinem Körper umgeht. Er musste erkennen, dass seine durch Medikamente sowieso schon belastete Leber bald streiken würde. Anfangs hielt er sich strikt an die Hinweise, trank nur noch Wasser und alkoholfreies Bier. Jetzt, Jahre später, gesellen sich schon mal 2 oder mehr Flaschen "echtes" Bier hinzu. Ich ziehe mich dann zurück und sage ihm offen, dass er nach Alkohol stinkt, schlafe auch nicht neben oder mit ihm. Dann geht es wieder einige Tage. Ich passe immer ein bisschen auf, was wir an Getränken im Haus haben und wie schnell der Vorrat schwindet. Auch das Ansprechen meiner Beobachtungen scheue ich nicht. Auf der Arbeit hält sich mein Partner genau ans Alkoholverbot, aber daheim dann, zum Entspannen holt er sich sein Bier. Manchmal sagt er auch, dass er es nicht mit ansehen könne, wie schlecht es mir geht und dass er dann etwas braucht, das seine Gefühle bezüglich meiner Arbeit (Schuldienst, Vollzeit aus finanziellen Gründen, Grundschule, schwierige Schüler und problematische Schulleitung) ein bisschen übertüncht. Die andere Seite: Von Seiten meines Partners werde ich völlig unterstützt, er fährt mich zur Arbeit, wenn ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffe. Er macht den Haushalt, den Garten, baut derzeit mit großer Leidenschaft unser Haus um. Aber er nimmt sich dann das Recht auf ein paar Bierchen heraus und wenn ich ihn nicht bremse, werden es im Laufe der Zeit auch ein paar mehr.
Melde dich doch noch einmal, um ein bisschen ausführlicher berichten zu können.
Viele Grüße und alles Gute für dich und euch von Mayke

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Re: Was soll ich tuen wie kann ich ihm helfen?

Ungelesener Beitrag von Ela1973 » Mo 29. Okt 2018, 12:48

Huhu Mayke,
bei uns bin ja nicht ich das Problem. Ich habe kein BO. Ich gehe zur Therapie weil ich vergangenes Jahr für mich erkannt habe das es viele Dinge in meinem Leben gibt, die ich leider bis heute nicht aufgearbeitet habe. Ich war auch total unten, hab Frustfressen gemacht, mich meinem Partner total entzogen und mein Leben bestand nur noch aus mir und meinem Handy. Bis ich irgendwann erkannt habe so kann und darf es nicht weitergehen.
Aber seit Februar ist bei uns völlig der Wurm drin. Wie ich ja oben schon beschrieben habe. Bei ihm ist nur das große Problem, er kann und möchte es sich nicht eingestehen das er ein Problem hat. Seitdem ist es ein auf und ab bei uns. Er meint er möchte das ich glücklich bin, das wir wieder glücklich sind. Und wirft lieber alles weg anstelle mal bei sich genau hinzuschauen. Er arbeitet wie gesagt ohne Ende und um Abends abzuschalten und schlafen zu können muss der Wein herhalten.

Es tut so weh das zu sehen. Ich bin und wäre bereit mit ihm diesen steinigen Weg zu Ende zu gehen und für ihn da zu sein aber es ist ein ständiges komm her geh weg.

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