Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
Liebender
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Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von Liebender » Do 12. Jul 2018, 09:15

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und kenne auch noch nicht so viele Forumseinträge, um beurteilen zu können, ob ich mich hier redundant äußere. Bitte seht mir das nach.

Ich bin in sehr großer Sorge wegen meiner Frau. Wir sind seit 8 Jahren zusammen, seit 4 verheiratet und haben 2 Kinder. Unsere Beziehung war immer sehr harmonisch, wir waren uns beide immer sicher, dass wir unseren Traumpartner gefunden haben. Auch Streits gab es nur sehr sehr wenige und wenn, haben wir sie immer gut in den Griff bekommen.
Leider ist in unserem direkten Umfeld viel los, was meine Frau schon länger belastet. Zum einen gibt es immer wieder Schicksalsschläge in ihrer Familie (Krebs, Selbstmord, Krankheit der Eltern etc), zum anderen haben wir uns vor fünf Jahren ein Haus gekauft, mit dem wir bis heute nur Ärger haben. Zum einen hat es Mängel ohne Ende, welche der Verkäufer bestreitet und die aufgrund des laufenden Gerichtsverfahrens nicht behoben werden dürfen, zum anderen haben wir arge Probleme mit einem Teil der Nachbarschaft, die uns dauerhaft belasten und zermürben. Meine Frau bekommt dies leider hautnah mit, da sie seit drei Jahren ohne Job ist und es somit 24h am Tag ertragen muss.
Seit einem dreiviertel Jahr merke ich nun zunehmend, dass meine Frau damit nicht mehr klar kommt und sehr gestresst ist. Ich hatte ihr schon vor einigen Monaten schon einmal geraten, sie solle evtl. mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, was sie aber nicht will, da nach ihrer Meinung ein Therapeut ihre Probleme nicht lösen kann.

Leider hat sich ihr Zustand in den letzten Wochen dramatisiert. Jede Veränderung oder Anforderung überfordert sie und sie zieht sich von allen, inklusive mir, zurück und will nur noch alleine sein. Inzwischen ist es auch soweit, dass sie sagt, sie empfindet keine Liebe mehr für mich, da sie sich zu weit von mir entfernt hat. Zudem will sie mich nicht mit runterziehen. Nach einigen Tränen und Gesprächen haben wir, vor allem auch wegen der Kinder, beschlossen, keine voreiligen Entscheidungen in der jetzigen Situation zu treffen. Jedoch verhalten wir uns inzwischen nicht mehr wie ein Liebespaar, sondern nur noch wie Freunde, weil sie es anders auch gar nicht könnte.
Grundsätzlich ist das für mich auch in Ordnung, da ich vermute zu wissen, was das eigentliche Problem ist. Und das ist nicht mangelnde Liebe sondern dass sie momentan einfach nichts empfinden kann. Natürlich hoffe ich darauf, dass sich dieser Zustand irgendwann wieder ändert, jedoch weigert sie sich standhaft, sich mit dem Thema BO auseinanderzusetzen und das mal von einem Spezialisten (Arzt, Therapeut) überprüfen zu lassen. Sie sagt immer nur, sie hat kein Problem, es gibt nur zu viele Probleme um sie herum.
Am Sonntag hatte ich sie zumindest überzeugt, einen kleinen Schnelltest auf BO-Gefährdung im Internet zu machen, dieser war mehr als eindeutig. Trotzdem bleibt sie bei ihrer Ansicht.

Meine Sorge ist nun, dass aufgrund ihrer Nichteinsicht unsere Familie zerbricht und ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen kann, dass sie aufwacht und merkt, dass sie professionelle Hilfe brauchen wird.

Ich will für sie da sein, werde alles in meiner Macht stehende tun, sie zu unterstützen. Aber sie lässt es einfach nicht zu. Was kann ich tun? Wie kann ich sie davon überzeugen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen könntet.

Vielen Dank schon einmal und viele Grüße!

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ZeroOne
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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Fr 13. Jul 2018, 14:06

Hi Liebender!

Das ist keine einfache Situation für dich und euch - ich wünsche viel Kraft und Durchhaltevermögen!
Liebender hat geschrieben:
Do 12. Jul 2018, 09:15
Sie sagt immer nur, sie hat kein Problem, es gibt nur zu viele Probleme um sie herum.
Vielleicht liegt deine Frau mit ihrer eigenen Einschätzung ja gar nicht mal so daneben?

Eventuell würde ein radikaler Wechsel etwas bringen, wenn das für euch realisierbar ist: raus aus dem unglückbringenden, maroden Haus (Prozess kann ja trotzdem weiter betrieben werden), weg von zermürbenden Nachbarn, vielleicht auch ein gesunder (räumlicher) Abstand zu ihrem schweren, familiären Umfeld?

Genau das ist z.B. auch die Empfehlung der meisten (Verhaltens-)Therapeuten bei Burn-Out-Patienten, die von ihrem Job und dessen Umfeld gekillt wurden: weg vom alten Arbeitgeber, was Neues suchen, evtl. sogar beruflich komplett um- bzw. neu orientieren.
Man kann sich nicht dahin therapieren, ein unglückliches, unzufriedenes Leben zu akzeptieren und sich damit zu arrangieren. Aber man kann sich dahin gehend therapieren, die Ursachen des Unglücks zu beseitigen (soweit es realisierbar ist).
Liebender hat geschrieben:
Do 12. Jul 2018, 09:15
Ich hatte ihr schon vor einigen Monaten schon einmal geraten, sie solle evtl. mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, was sie aber nicht will, da nach ihrer Meinung ein Therapeut ihre Probleme nicht lösen kann.
Professionelle Hilfe kann nur etwas bewirken, wenn man selbst von diesem Schritt überzeugt ist und diese Hilfe auch offen annehmen will und nicht, wenn man dazu überredet oder gar gezwungen wird.
Liebender hat geschrieben:
Do 12. Jul 2018, 09:15
Meine Sorge ist nun, dass aufgrund ihrer Nichteinsicht unsere Familie zerbricht und ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen kann, dass sie aufwacht und merkt, dass sie professionelle Hilfe brauchen wird.
Nichteinsicht? Wahrscheinlich wirst du mit dieser Einstellung deine Familie und Ehe nicht retten können. So wie du schreibst, klingt es für mich, dass deine Frau sehr wohl Einsicht hat und genau weiß, woran es liegt und was Abhilfe schaffen würde. Und sie wird sich denken können, dass auch ein Therapeut weder das Problem mit dem Haus, noch das mit den Nachbarn und der Familie lösen kann und das ein "Ertragen lernen und Akzeptieren" der Umstände auch keine Lösung ist.

Persönlich sehe ich ein großes Risiko darin - wenn du den Therapie-Druck auf deine Frau (gegen ihren Willen) fortsetzt - dass sich deine Frau neu aufstellen wird: in Form eines Lebens ohne dich (zwischen den Zeilen ist das ja schon zu lesen gewesen).

Das sind so meine ersten Gedanken... die erheben natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit.

LG
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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von jedi » Fr 13. Jul 2018, 20:47

Hallo Liebender !

deine beschriebene geschichte weist ein paar sehr schwerwiegende u. wohl auf längeren zeit schon bestehende, nicht leicht zu ertragene lebenssituationen auf.
möchte aber nur auf einen punkt eingehen, da ZeroOne dir schon einiges geschrieben hat.
ZeroOne hat geschrieben:
Fr 13. Jul 2018, 14:06
sie wird sich denken können, dass auch ein Therapeut weder das Problem mit dem Haus, noch das mit den Nachbarn und der Familie lösen kann und das ein "Ertragen lernen und Akzeptieren" der Umstände auch keine Lösung ist.
das sieht deine frau völlig richtig !
so kommen eine ganze reihe von menschen in die therapie u. erhoffen sich vom therapeuten fertige lösungen.
die sind aber dort nicht zu bekommen.

was aber sehr hilfreich sein kann, die probleme einmal zu benennen u. daraufhin, kann man mit dem Therapeuten eine strategie entwickelt, wie wollen wir mit der situation umgehen.
zbspl. mit dem haus.
sich nicht immer darüber zu ärgern, weil das sehr viel energie frisst u. die eigene stimmung dadurch in den keller sinken kann.
zu schauen mit dem TP gemeinsam, wie können wir die haussituation einmal anders denken, was sind vielleicht, mögliche hilfen u. unterstützungen.
so könnt ihr zu entscheidungen kommen, die auch tragfähig sein können u. somit diese situation euch nicht inerlich auffrisst u. entzweit.

- mit dem nachbarn.
auch hier kann man in der therapie lernen, wie denk es mich(unreflektierte gedanken), in der beziehung mit unserem nachbarn.
auch hier kann man mit hilfe des TP für sich strategien entwickeln, mit der situation stressfreier umzugehen.
auch hier beherrschen uns oft, unreflektierte gedanken.

mit der familie.
genau auch hier, kann man gemeinsam mit dem TP überlegen, wie wollen wir mit der familären situation uns dazu verhalten.

klar löst das nicht die probleme, aber es kann hilfreich sein u. nimmt die schwere, die deine frau wohl empfindet u. sie zunehmend erschöpft.
durch eine erfahrende struktuer, so könntet ihr wieder mehr gemeinsamkeit erfahren.
natürlich kann man niemanden dazu zwingen, sich therapeutische hilfe zu suchen, bzw. anzunehmen, aber bei meinen beispielen, könnte sie möglicherweise doch eher glauben, dass es eine sinnvolle möglichkeit werden könnte, diese hilfe einmal anzunehmen.

waren jetzt meine ganz persönlichen gedanken u. erfahrungen dazu.

LG jedi

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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von Liebender » Mo 16. Jul 2018, 07:47

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für euer Feedback bzw. die Tipps!

ZeroOne, Du hast natürlich Recht damit, erzwungen werden kann gar nichts und da habe ich mich sicher auch nicht gut ausgedrückt. Ich will sie natürlich nicht zwingen, irgendetwas zu tun, was sie nicht will bzw. wovon sie nichts hält. Auch können die Probleme nicht vom Therapeuten gelöst werden, das ist klar. Jedoch halte ich es mit jedi, der Therapeut kann Wege und Strukturen vermitteln, die es leichter machen, mit den vorhandenen Problemen umzugehen.

Dass wir parallel auch die Probleme an sich angehen müssen und auch werden, steht außer Frage. Das Haus werden wir, sobald wir eine Alternative gefunden haben, schnellstmöglich verkaufen. Sich von der Familie zu distanzieren, wird für sie schwieriger, da sie ein absoluter Familienmensch ist und es für sie undenkbar ist, sich von ihrer Familie zu entfernen oder gar abzuwenden. Aber auch hier wird sie, werden wir, sicher eine Lösung finden, die es für sie etwas leichter macht.

Was mir nur noch fehlt, vielleicht können dazu Betroffene selber etwas sagen, ist, dass ich nicht verstehe, warum so viele Menschen, die nicht unter BO leiden, sagen, wenn sie an Problemen verzweifeln würden, dann gingen sie zu einem Therapeuten, dies dann aber im Falle von BO auf einmal nicht mehr machen wollen. Warum ist das so? Ist nicht böse gemeint, mir geht es echt nur um das Verständnis, da ich glücklicherweise noch nicht in einer solchen Situation war.

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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Mo 16. Jul 2018, 09:08

Hi Liebender!
Liebender hat geschrieben:
Mo 16. Jul 2018, 07:47
Was mir nur noch fehlt, vielleicht können dazu Betroffene selber etwas sagen, ist, dass ich nicht verstehe, warum so viele Menschen, die nicht unter BO leiden, sagen, wenn sie an Problemen verzweifeln würden, dann gingen sie zu einem Therapeuten, dies dann aber im Falle von BO auf einmal nicht mehr machen wollen.
Naja, ich denke, dass man immer leicht sagen kann, was man nicht alles tun würde, wenn man in eine solche Situation kommen würde - ist ja alles nur fiktiv. Wenn es einen dann aber wirklich erwischt, sieht die Welt auf einmal ganz anders aus...

Ich wollte mir den BO auch nicht eingestehen. Im Gegenteil: ich habe es dann hammerhart auf was physisches geschoben und bin von einem Facharzt zum nächsten gerannt. Dort habe ich immer wieder gehört, dass ich körperlich kerngesund sei und ich mal über psychiatrische/psychotherapeutische Hilfe nachdenken solle.

Auch da habe ich es mir noch nicht eingestanden und habe im wahrsten Sinne des Wortes so lange weitergemacht, bis es mich tatsächlich komplett umgehauen hat. Ich habe die auslösenden Probleme in meinem Umfeld zwar gesehen, dachte mir aber, dass das nur ne schlechte Episode ist und sich wieder ändern wird. Dem war nicht so...

Vor all dem habe ich die BO-Thematik eigentlich eher belächelt und dachte mir, dass es doch ganz einfach ist, wenn mir das Leben zu viel wird: einfach einen oderer mehrere Gänge zurückschalten. Dass das nicht so einfach ist, habe ich dann lernen müssen.

Vielleicht ist das mit der Akzeptanz eines BOs wie mit Alkoholismus oder einer anderen Drogensucht? Man hat nur die Chance, wieder auf die Reihe zu kommen, wenn man sich sein Problem eingesteht, bzw. die Probleme in seinem Umfeld erkennt und abstellt, die zum eigenen Problem wurden.

LG
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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von DieAngehörige » Mo 16. Jul 2018, 11:59

Hallo Liebender,

frag doch deine Frau jeden Tag "Schatz, was kann ich heute für dich tun, damit dein Tag besser wird?" oder "was kann ich dir heute Gutes tun"?
Vielleicht wird sie dich mit großen Augen ansehen und mal nichts sagen. Frag einfach wieder und wenn sie nur sagt "bring den Müll raus", machs einfach.

Somit kannst du ihr ganz einfach vermitteln, du bist für sie da. Das schafft neues Vertrauen und mit dem kann sie sich vielleicht besser öffnen. Hab Geduld.

Lobe sie. Sag auch mal "das schmeckt heute lecker". "heute siehst du gut aus". Betrachte sie mehr mit liebenden Augen, sehe was sie alles leistet und sag ihr das. Einfach Aussprechen. Das Positive wieder mehr in den Vordergrund stellen.
Gerade wenn alles so grau ist, vergisst man gerne darauf und schon ist man in der Negativspirale.

Erinnere dich zurück, was hat sie früher zum Lachen gebracht? Was hat sie früher gerne gemacht? Wo konnte sie Kraft tanken? Was für Musik hört sie gerne, gibt es da in nächster Zeit ein Konzert? Gestehe ihr Freiraum zu, nimm ihr mal die Kinder ab und fahr mit ihnen zum See, in den Tierpark. Vielleicht möchte sie gerne etwas unternehmen, wo sie mal mit den Gedanken raus kommt aus den ganzen Problemen. Sei kreativ. Und wenn ihr euch gegenseitig das Gesicht schminkt und Grimassen zieht. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, es lockert einfach auf.

Erinnere dich, was hat euch gut getan?

Liebe Grüße
DieExAngehörige
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Re: Partnerin läuft in den BO und verweigert jegliche Hilfe

Ungelesener Beitrag von jedi » Mo 16. Jul 2018, 18:35

Hallo Liebender !
Liebender hat geschrieben:
Mo 16. Jul 2018, 07:47
Was mir nur noch fehlt, vielleicht können dazu Betroffene selber etwas sagen, ist, dass ich nicht verstehe, 1.warum so viele Menschen, die nicht unter BO leiden, sagen, wenn sie an Problemen verzweifeln würden, dann gingen sie zu einem Therapeuten,
2. dies dann aber im Falle von BO auf einmal nicht mehr machen wollen.
Liebender hat geschrieben:
Mo 16. Jul 2018, 07:47
Warum ist das so?
ich versuche dir einmal meine ganz persönliche meinung dazu zu schreiben.

zu p 1. ich finde es gut, wenn menschen so denken, evtl. gar wissen oder das gefühl haben, dass ihnen in schwieriger situation, wenn sie probleme haben, sich in eine lebenskrise befinden, ihnen dann ein TP helfen könnte.
lange zeit war es darüber zu sprechen, "ich bin in therapie", nicht gesellschaftsfähig u. man hat es entweder verschwiegen oder saß zu hause u. hat es irgenwie versucht mit sich selbst auszumachen.
oft mit fatalen folgen.
ganz langsam scheint sich da gesellschaftlich etwas zu verändern u. man spricht doch schon einmal eher darüber, dass man sich hilfe bei einem TP oder coach holt.
menschen mit einer depression, fühlten sich schon immer u. leider auch noch heute, obwohl es sich auch da schon leichte veränderungen zu mehr offenheit abzeichnet, immer noch gesellschaftlich, im persönlichen umfeld, in der familie u. besonders am arbeitsplatz stigmatisiert.
so werden sie eher als schwach, gar willens-schwach, nicht durchsetzungsfähig, als schwächling, lebensuntauglich, nicht belastbar betrachtet.

zu 2. tritt dann der fall ein, dass ich physisch u. psychisch so sehr belastet bin, möglicherweise völlig zusammenklappe, dann ist die scham groß u. man erkennt sich selbst oft nicht wieder.
man verliert die orientierung u. uns bekanntes alltägliches, ist plötzlich nicht mehr so machbar, wie wir es von uns kennen.
auch das umfeld, die familie u. gar der betrieb, die kollegen, zeigen sich oft sehr irritiert u. zunehmend hilflos, was die psychische veränderung bei uns bewirkt hat.

die plötzliche hilflosigkeit verstehen u. annehmen, die diagnose, nun eine depression entwickelt zu haben (für mich ist ein BO eine schon länger bestehende, nicht erkannte depression), möglicherweise AD empfohlen zu bekommen, mindert unser selbstbewusstsein, unseren selbst-wert sehr stark.
lange haben BOler eine maske getragen, haben sich selbst, ihr umfeld dadurch getäuscht u. auch ihre belastungsgrenzen am arbeitsplatz, schon längere zeit, dauerhaft völlig überschritten.
so dies plötzlich zu erkennen, führt oft zur selbstverurteilung, zu scham, schuld u. minderwertigkeit.
es folgt nicht selten eine abwehrhaltung, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.
dies haben eine ganze reihe von BO-betroffenen so aus ihrer prägung erfahren.

alte muster zu erkennen, seine glaubenssätze zu hinterfragen, sich annehmen können, wie man ist, zu der jetzigen schwierigen lebensphase, "ja, so ist es jetzt", sagen zu können u. zu verarbeiten, dies geschieht oft erst mit einsetzen professioneller hilfe.
der Bo-betroffene muss aber ersteinmal dazu bereit sein u. in der regel hat er keine erfahrung mit therapie u. TP.
auch fehlen oft, aus dem umfeld, mutmachende berichte von menschen, die schon einmal erfahrung mit TP u. Therapie gemacht haben.
auch kusieren immer noch wenig wahrheiten über den einsatz von AD herum, was zusätzlich, wenn welche von fachärztlicher seite empfohlen werden, die betroffenen zusätzlich weiter verunsichern.

natürlich sind dies nicht alle eventuellen hintergründe u. so mit kann ich deine frage, nicht völlig zufriedenstellend beantworten.
dazu wären bestimmt mehere seiten nötig.
ich habe ein paar dinge herausgehoben, von denen ich annehme, dass sie probleme bereiten können, sich schnell therapeutische hilfe zu suchen.
"wenn man überhaupt heute, bei den langen wartezeiten, auf einen therapieplatz oder termin bei einem facharzt, von schnelle hilfe sprechen kann".

schuld, scham, sich ohnmächtig, gar sich der situation ausgeliefert zu fühlen, führen ersteinmal dazu, dass man noch glaubt, man könne mit einwenig ruhe oder urlaub, wieder volle leistungsfähigkeit erwerben.
sehr oft ein bitterer trugschluss, mit oft ungeahnten folgen.

LG jedi

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