Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
Benutzeravatar
ZeroOne
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 375
Registriert: Mi 21. Sep 2011, 13:37
Geschlecht: Männlich
Ich bin: Betroffene(r)
Herkunft: Uterus

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Sa 28. Jul 2018, 15:29

Hi wirreshuhn!
wirreshuhn hat geschrieben:
Sa 28. Jul 2018, 13:58
Vorhin hab ich im KH angerufen wegen genauer Aufnahmeuhrzeit - und kriegte gleich zu hören, er solle bitte nüchtern im Sinne von nicht alkoholisiert kommen. Auf Nachfragen erfuhr ich, daß auf der Station auch Alkoholkranke entgiftet werden. - Puh...
Mach dir keine Gedanken... das ist in (gerade kleineren) Kliniken häufiger der Fall, wenn die überhaupt eine eigene Psychiatrie haben. Von den "Alkis" hört und sieht man i.d.R. nicht viel, weil sie oft u.a. mit Lorazepam etc. ruhiggestellt werden und im Bett liegen bleiben. Meist geht es für die nach 2 Wochen Entgiftung direkt ab in die Reha...

LG
ZeroOne

wirreshuhn
Jungspund
Jungspund
Beiträge: 17
Registriert: Mo 3. Jul 2017, 17:47

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Mo 30. Jul 2018, 08:55

Langsam dreh ich echt am Rad... - Samstag abend meinte er noch "ja, wir gehen da zusammen hin und gucken uns das an. Und wenn's nix ist, gehen wir wieder".
Gestern Nachmittag beim Kaffeetrinken bei seinen Eltern dann "ach, in ein paar Wochen nehm ich wieder einen Job irgendwo in Deutschland an - ich hab jetzt schon keinen Bock mehr aufs zu Hause sitzen".
Gestern Abend daheim dann wieder "ich fühl mich so kaputt, ich kann nicht mehr..."
Gerade eben, per WhatsApp (ich in in der Arbeit...) "ich glaub ich geh nicht ins KH. Nur Verwahrt werden bringt nix. Ich geh lieber nächste Woche wieder arbeiten".

Heute Vormittag hat er noch einen Termin beim Hausarzt, will den auch nochmal fragen, was die Einweisung in die geschlossene soll - wenn er sich denn hoffentlich traut (das ist auch so ein Thema - normalerweise ist er weder ängstlich noch auf den Mund gefallen - derzeit hängt das immer von der jeweiligen Stimmung ab).
Jetzt gerade meint er mal wieder, es könne allenfalls eine körperliche Krankheit sein - er wäre doch nicht plemplemm... - naja.

(...mal gucken, was heute Nachmittag ist...)

Benutzeravatar
ZeroOne
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 375
Registriert: Mi 21. Sep 2011, 13:37
Geschlecht: Männlich
Ich bin: Betroffene(r)
Herkunft: Uterus

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Mo 30. Jul 2018, 09:08

Hi wirreshuhn!
wirreshuhn hat geschrieben:
Mo 30. Jul 2018, 08:55
Langsam dreh ich echt am Rad...
Lass dich nicht runter- bzw. reinziehen, auch wenn´s leichter gesagt als getan ist! Du bist für ihn da, sorgst dich und unterstützt, wo du nur kannst. Mehr kannst du nicht tun - das ist seine Aufgabe...
wirreshuhn hat geschrieben:
Mo 30. Jul 2018, 08:55
Gerade eben, per WhatsApp (ich in in der Arbeit...) "ich glaub ich geh nicht ins KH. Nur Verwahrt werden bringt nix. Ich geh lieber nächste Woche wieder arbeiten".
Das kenne ich von mir - da ist es nix geworden! Ich hatte mir anfangs auch nicht eingestehen wollen, dass ich "einen an der Waffel" habe und eine dafür kompetente Behandlung annehmen sollte. Am Anfang der Woche habe ich mir auch so oft gesagt: "Noch eine Woche Krankschreibung - das wird reichen und nächste Woche gehe ich wieder arbeiten!" Die Woche verging und spätestens am Sonntag Nachmittag habe ich eine riesen Panik und Depression bekommen und an Arbeit am nächsten Tag war nicht mehr zu denken.

Vielleicht lässt du ihn einfach machen, wie er denkt...? Vielleicht muss ja auch jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln?

LG
ZeroOne

wirreshuhn
Jungspund
Jungspund
Beiträge: 17
Registriert: Mo 3. Jul 2017, 17:47

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Mo 30. Jul 2018, 10:03

ZeroOne hat geschrieben:
Mo 30. Jul 2018, 09:08
Vielleicht lässt du ihn einfach machen, wie er denkt...? Vielleicht muss ja auch jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln?
Genau das wird es wohl sein, und vermutlich habe ich genau diese Worte jetzt am frühen Morgen gebraucht - und wenn's "von außen" kommt, wirkt es nochmal ganz anders...

Anders war's bei mir selber nämlich auch nicht... *sonnenbrille* - bei mir brauchte es auch erst zwei Zusammenbrüche und das Gefühl, der nächste ist im Anmarsch - da konnte der Rest der Welt mir erzählen was er wollte - ICH brauchte doch keinen Psychoquatsch... :roll:

Benutzeravatar
DieAngehörige
Quasselstrippe
Quasselstrippe
Beiträge: 177
Registriert: Do 18. Feb 2016, 07:13
Geschlecht: Weiblich
Ich bin: Betroffene(r)

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von DieAngehörige » Mo 30. Jul 2018, 12:12

Hallo wirreshuhn,

ich habe gerade deine Postings gelesen. Es tut mir sehr Leid für dich, welches Wirrwarr du gerade erleben musst.

Ich kenne das all zu gut, das ewige hin und her.
Als meiner so mitten drinnen war, war ein jeder Tag wo es ihm besser ging, alles wieder beim Alten. Er ist ja nicht krank, er kann ja arbeiten gehen usw. Die Realität sah dann oft 5 Minuten später, 1 Stunde später, 1 Tag später wieder anders aus. Vom Hoch ins Tief.
Er war Prokurist und hat in einer Firma eine ganze Abteilung aufgebaut, echt gut in seinem Job, Bauwesen.
Dann kam er plötzlich damit an, er kann ja arbeiten, er macht einen Partyservice auf. So mit Kistensau und Bowle.
Ja genau, er als Baumensch macht nen Partyservice auf.
Ich dachte mir nur OK. Hab aber darauf nichts gesagt. Lies ihn einfach bei sich mit seinen Gedanken.

Das was ich dir aus meiner Erfahrung mit einem Betroffenen mitgeben kann, lass ihn. Wenn er seine Gedanken ausspricht, nimm sie einfach so an wie er es sagt. Auch wenn es in deinen Augen totaler Schwachsinn ist. Er muss da wirklich selbst drauf kommen. Er muss es fühlen, er muss seinen Weg gehen. Er geht ihn wieder, raus aus dieser Spirale, da bin ich mir sicher. Aber er muss es machen, sonst ist es nicht sein Weg. Hör einfach zu.

Lass ihm auch seine Dinge selbst erledigen. Termin beim Psychologen ausmachen, einkaufen gehen, wenn er ein neues Stück Kleidung braucht, wenn er mal sagt, ich weiß nicht wie das geht, ihn motivierten, dass er es gut kann und die richtige Entscheidung treffen wird.

Bei meinem hat es klick gemacht, als er wirklich das erste Mal selbstständig agieren musste. Er musste einen Kurs machen, mit kleinen Prüfungen. Da kam der Ball ins Rollen.
Er hat sich sehr schnell zum Chef entwickelt und hat immer nur abgegeben, delegiert, Verantwortung abgeschoben, gemacht was er wollte, wenn sie ihm den Führerschein genommen haben, brachte ihn seine Ex Frau in die Arbeit. Er musste nie Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Auch wenn es im Außen so aussah. Es war aber nicht so.
Es ist wie ein kleines Kind, was weiß, wenn ich Blödsinn mache, ist Mama eh da und zieht mir den Kopf aus der Schlinge.

Hör ihm zu, stelle Fragen, die er sich selbst beantworten kann und schau ganz gut auf dich.
Abgrenzen lernen war bei mir auch ein Thema. Man will einfach dem Partner helfen, jedoch geht es so schleichend und einem selbst geht es dann nicht mehr so gut. Von daher, schau gut auf dich, hör auf dein Gefühl wenn dir etwas gut tut, mach es einfach.
Er kommt auch mal alleine zurecht, das ist auch ganz wichtig.

Liebe Grüße
DieExAngehörige
Es ist egal ob es Sinn hat, wenn es Sinn macht

wirreshuhn
Jungspund
Jungspund
Beiträge: 17
Registriert: Mo 3. Jul 2017, 17:47

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Mo 6. Aug 2018, 17:05

Danke nochmal...

Der Ausflug in die geschlossene Psychiatrie dauerte nicht ganz 24 Stunden und war für meinen Mann der pure Horrortrip:
Vom Oberarzt in knapp 10 Minuten abgefertigt, ein nicht näher benanntes Antidepressivum verordnet bekommen, keine Aufklärung über Nebenwirkungen.
Auf der Station herablassend-respektloses Personal. Die Mitpatienten teils nicht ganz bei sich und übergriffig. Am Abend wurde ein Mann im Nachbarzimmer fixiert und brüllte die halbe Nacht wie ein Stier.
Nach einem weiteren (sehr kurzen) Gespräch mit dem Arzt am nächsten Morgen und der Prognose "mindestens 10 Tage, und woanders als hier ist grad kein bett frei" ist mein Mann auf eigenen Wunsch gegangen.
Das Erlebnis hängt ihm immer noch nach (...mir auch, denn ich war am Nachmittag/ Abend nochmal da und hab einiges selber mitgekriegt - u. a. die schrecklichen Schreie des fixierten Mannes).

Positiver Aspekt ist allerdings, daß ihm das "Zähnezeigen" dort gut getan und ihm Auftrieb gegeben hat/ er sich überlegt hat was er kann und will und auch mit seinem Arbeitgeber Klartext geredet hat.

In einer Woche hat er einen Psychiatertermin und will dort nach einer Einweisung in eine psychosomatische Klinik fragen. Der Hausarzt konnte das angeblich nicht und hat auch nur weiter krankgeschrieben, weil Männe energisch geworden ist.

Sternenhimmel

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von Sternenhimmel » Di 7. Aug 2018, 11:52

Hallo wirreshuhn,
So schlimm auch alles sein mag,finde ich es bewundernswert,dass ihr einander zuhört und miteinander redet.
Wichtig ist,dass ihr nicht auf der Stelle stehen bleibt.

Alles Gute
Sternenhimmel

Benutzeravatar
ZeroOne
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 375
Registriert: Mi 21. Sep 2011, 13:37
Geschlecht: Männlich
Ich bin: Betroffene(r)
Herkunft: Uterus

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Di 7. Aug 2018, 14:18

Hi wirreshuhn!
wirreshuhn hat geschrieben:
Mo 6. Aug 2018, 17:05
Positiver Aspekt ist allerdings, daß ihm das "Zähnezeigen" dort gut getan und ihm Auftrieb gegeben hat/ er sich überlegt hat was er kann und will und auch mit seinem Arbeitgeber Klartext geredet hat.

In einer Woche hat er einen Psychiatertermin und will dort nach einer Einweisung in eine psychosomatische Klinik fragen. Der Hausarzt konnte das angeblich nicht und hat auch nur weiter krankgeschrieben, weil Männe energisch geworden ist.
Wenn die negativen Erlebnisse in der Psychiatrie und das Gespräch mit dem Arbeitgeber bei deinem Mann etwas Positives bewirkt haben, dann war es diese Erfahrung ja wert! Bleibt zu hoffen, dass dieser Schub so lange vorhält, bis die (wahrscheinlich lange) Wartezeit für die Psychosomatik vorbei ist.

Vielleicht mag er sich auch mal überlegen, andere Hausärzte anzutesten, wenn er gerade sowieso schon im Auf- und Umbruch ist? Die Aussagen des aktuellen Hausarztes machen auf mich (persönlich!) keinen übermäßig kompetenten Eindruck.

LG
ZeroOne

wirreshuhn
Jungspund
Jungspund
Beiträge: 17
Registriert: Mo 3. Jul 2017, 17:47

Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Mo 3. Sep 2018, 14:18

Es hat sich zwischenzeitlich einiges getan...

Mein Mann hat mittlerweile selber eingesehen, daß es so nicht weitergeht, er so nicht weiterleben will. Dementsprechend hat er sich vom Psychiater in eine Akutklinik einweisen lassen.
Normalerweise sind die Wartezeiten in der betreffenden Klinik um die sechs Wochen. Männe hat heute früh seinen ganzen Mut zusammengenommen und telefonisch gefragt, ob die nicht spontan einen Platz frei haben, er ist ja eh krankgeschrieben - jetzt kann er bereits nächste Woche kommen.

Der Arbeitgeber ist auch informiert und äußerst verständnisvoll.

Von daher: Alles gut im Moment - ich vertraue in meinem ureigensten Optimismus einfach mal darauf, daß alles gut bleibt und vielleicht auch besser wird *zwinkern*

Antworten

Zurück zu „Fragen von Angehörigen, Freunden und Kollegen ...“