Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
wirreshuhn
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Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » So 17. Jun 2018, 17:45

Moinsen...

letztes Jahr war ich selbst wegen Burnout/ depressiver Episoden in stationärer Behandlung, aktuell mache ich noch eine Verhaltenstherapie - bin also selber nicht ganz unwissend/ unvorbelastet.

Mein Lebenspartner hat das damals alles mitgekriegt - auch daß ich mir selber Hilfe geholt habe etc.

Schon damals ging es ihm nicht wirklich gut, er wurde von seinem Vorgesetzten gemobbt. Zwischenzeitlich wurde er vorübergehend an einen anderen Arbeitsort versetzt, wir führten 6 Monate eine Wochenendbeziehung. Schon da merkte ich, daß ihm das zusetzte.
Ende Mai war Schluss damit, er ist jetzt wieder daheim und beginnt morgen wieder hier in der Nähe zu arbeiten (mit dem mobbenden Ex-Boss hat er nix mehr zu tun).
Seit er wieder hier ist, wird alles immer schlimmer. Er kann sich nicht lange auf eine Sache konzentrieren, ist deswegen extrem reizbar und empfindlich. Hat Selbstzweifel ohne Ende, Versagensängste, usw.
Einerseits bin ich froh, daß er mir alles erzählt - andererseits kann ich bald nicht mehr, auch weil er sich immer im Kreise dreht, immer wieder sagt, dann und dann nehm ich Urlaub/ lass mich krankschreiben etc. aber es nicht macht, sondern seiner Firma gegenüber den allzeit bereiten Strahlemann markiert. Psychotherapie will er nicht "wann denn, und bringt eh nichts".
Sich krankschreiben lassen will er nicht obwohl er lt. eigener Aussage "reif für die Klinik" wäre - aber angeblich schmeißt ihn dann sein Arbeitgeber raus (was definitiv nicht so ist - große Firma, lange dabei...).
Warnzeichen wie Magen-Darm und Verspannungen, Schlafstörungen nimmt er nicht ernst sondern ärgert sich stattdessen zusehends darüber, daß er nicht "funktioniert".

Ich mache mir große Sorgen, will mich nicht trennen und will meinen Partner unterstützen, weiß aber so langsam nicht mehr wie und merke, daß meine Kräfte schwinden. - Und ertappe mich bei so fiesen Gedanken wie "gut, daß er morgen wieder arbeitet, einen langen Tag haben wird und ich hoffentlich ein paar Stunden Ruhe" - und hab die letzten Wochen auch manchmal länger im Büro ausgeharrt als nötig, damit ich ein bisschen Ruhe hatte.
Das kann's echt nicht sein.

Theoretisch weiß ich, dass ich mich abgrenzen sollte, wurde auch von meiner Therapeutin mit guten Tipps versorgt - aber ich finde einfach keine Ruhe und keinen Abstand mehr.

Wir haben zwar ein großes Haus und können uns aus dem Weg gehen, aber das reicht irgendwie nicht.
Und vorübergehend ausziehen ist aus diversen Gründen nicht drin (und wäre emotional auch der allerletzte Ausweg).

Danke an alle, die bis hierher mitgelesen haben... es tat erstmal gut, mir alles von der Seele zu schreiben.

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Theresia
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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von Theresia » So 17. Jun 2018, 17:54

Hallo, wirreshuhn!

Sag mal, wenn du könntest, wie du wolltest: was würdest du dann tun?
Ich frag nicht, damit du das hier nieder schreibst, sondern um verschiedene Szenarien in deinem Kopf durchzuspielen, damit du dir für DICH klar wirst.
Das hat mir in sehr schwierigen Zeiten (lange vor meinem eigentlichen BO sehr geholfen: das "sortieren".)

Weißt du, einem BOler kann nur er selbst helfen, niemand anderer.
Nur wenn du selbst stabil und klar bist kannst du ihn unterstützen, aber du schreibst ja selbst, daß du auch zu kämpfen hast...
Schieb nicht die Wolken von morgen über die Sonne von heute

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » So 17. Jun 2018, 19:24

@Theresia

Danke erstmal für deinen Input ... :)

Tja, ich selber will eigentlich verdammt viel - nämlich in mein Leben zurück, mir wieder was zutrauen, wohlüberlegt unter Leute, da mir durch dem BO ein Teil des Bekanntenkreises wegbrach. Da arbeite ich seit Ende letzten Jahres mit Bedacht und ziemlich langsam dran - in der Hoffnung, daß es mir Kraft gibt.
Mein Partner gehört da dazu.... - hm, vielleicht neige ich auch dazu, ihn zu sehr zu betüddeln...

... ich muss nachdenken... 8)

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von Mima » So 17. Jun 2018, 19:25

Hallo wirreshuhn,

eine sehr schwierige Situation für dich und ich wünsche dir zuallererst viel Kraft.

Du schreibst, dass dein Partner morgen eine neue Arbeitsstelle antritt.
Die letzten Monate/Jahre waren für ihn beruflich extrem belastend, wenn ich es richtig verstanden habe.
Mobbing ist extrem belastend und die Angst davor dies nocheinmal zu erleben kann ich nachvollziehen.
Nun beginnt er morgen eine neue Arbeit, neues Umfeld, neue Kollegen, neue Aufgaben oder zumindest neu einarbeiten in die Abläufe der Firma.
Ich bin nicht BO Betroffen, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ich extremst angespannt wäre in einer ähnlichen Situation.
Durch das erlebte Mobbing ist sein Selbstwert ganz niedrig auch das ist für mich nachvollziehbar.
Ich kann mir vorstellen, dass dein Partner davon überzeugt ist, dass sich seine Anspannung, die Konzentrationschwierigkeiten ect. wieder auflösen, wenn es im neuen Job klappt und er sich wohl fühlt.
Könnte ja vielleicht auch so sein?
Kann aber genauso gut sein, dass er noch nicht erkannt hat, dass er im BO steckt und Unterstützung/Hilfe braucht.
Das erkennen dass man es ohne Hilfe kaum schaffen kann dauert bei vielen Betroffenen sehr lange.
Sich dann um Hilfe zu kümmern und diese zuzulassen ist dann der nächste Schritt der vielen Betroffenen schwer fällt und Zeit braucht.

Ich finde es ganz toll von dir, dass du ihn unterstützen möchtest und eine Trennung für dich (derzeit) nicht in Frage kommt.
Ich weiß jedoch aus eigener Erfahrung dass das Begleiten eines Betroffenen sehr viel Kraft kostet und man selbst an seine Grenzen kommen kann.Insbesondere in deiner Situation, da du ja selbst noch nicht ganz wieder "auf den Beinen" bist.

Als ich hier ins Forum kam... las ich immer wieder den Satz: "Sorge gut für dich" und ich saß mit Fragezeichen vor dem Laptop.
Es ging doch hier nicht um mich, es ging doch um meinen betroffenen Partner.... Erst mit der Zeit verstand ich das, was du schon weißt. Abgrenzen ist so unendlich wichtig. Nicht vom Partner abgrenzen, sondern von den "Begleiterscheinungen des BO"
Vielleicht kannst du mit deiner Therapeutin noch einmal darüber reden. Vielleicht kann sie dir die Tipps die sie dir gab (nocheinmal) erklären, oder anhand einer Situation aufzeigen was sie genau meint.
Denn theoretisch weiß man manchmal viel aber die Umsetzung ist so schwierig.

Vielleicht hast du auch ein Hobby das du wieder aktivieren oder neu beginnen kannst? Nur Zeit für dich und etwas tun, wobei du den Kopf "Frei bekommen" kannst? Mir hat es damals sehr geholfen. Bei mir war es der Sport. Noch nichteinmal das körperliche auspowern, sondern die Zeit für mich und das eintauchen in die Natur.
Ich sagte einmal zu Freunden, dass mein Kopf sich anfühlt als wäre da gar kein Platz mehr für neue Gedanken und zusätzlich habe ich das Gefühl dass da noch ein Trichter obendrauf sitzt, der immer noch mehr in diesen kleinen Kopf füllen will.
Dies konnte ich durch das bewegen in der Natur ausgleichen.
Und es hat mir sehr geholfen mir immer wieder bewusst zu machen, dass ich die Probleme meines Partners nicht lösen kann und mir diese auch nicht zueigen machen darf. Aber dies war ein Prozess der viele Wochen/Monate gedauert hat.

Ich wünsche dir alles, alles Gute
Mima

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Fr 22. Jun 2018, 13:44

So, fast eine Woche ist um.

Meinem Partner geht es richtig schlecht, und mir schlug die Sache auch schon auf den Magen.

Sein neuer Job (er arbeitet übrigens seit Jahren für einen Ingenieur-Dienstleister, der ihn hier- und dort hinschickt) hat sich als Griff ins Klo erwiesen; bereits am ersten Tag war klar, daß in der Firma ein "Dummer" gesucht wird, der seinen Kopf hinhält - es würde zu weit führen, das hier näher zu erklären. Hinzu kommt noch die tägliche Pendelei - einfacher Weg 120 km, inkl. Stau auf der Autobahn. Mit ÖPNV ist da von uns aus nicht hinzukommen. Er fährt um 6.00 Uhr los und ist gegen 20 Uhr wieder daheim.
Wäre es gut gelaufen, hätte sich mein Partner für Montags bis Freitags am Arbeitsort ein Zimmer genommen - aber er wollte halt erstmal schauen.

Lange Rede, kurzer Sinn - ich hatte heute früh einen weinenden Mann am Frühstückstisch sitzen, der schon seit ein paar Tagen davon redet, total neben sich zu stehen und angst vor sich selbst und seiner Fahrigkeit zu haben. Daheim bleiben wollte er auch nicht - er hat angst, daß er dann aus dem Grübeln nicht mehr herauskommt, total versumpft - und hat nach wie vor Angst, daß sein Arbeitgeber ihn kündigt wenn er "mit was psychischem ankommt".

Eigentlich wollte er bereits am Dienstag oder Mittwoch seinen Arbeitgeber anrufen und ihn bitten, ihn von dieser Kundenfirma abzuziehen - er hat es bis heute nicht geschafft. Heute früh haben wir uns darauf geeinigt, am Wochenende mal in aller Ruhe über alles zu reden, damit er sich auf ein Gespräch mit seinem Arbeitgeber vorbereiten kann.

Vorhin kam eine WhatsApp-Nachricht von ihm, daß er mit seinem Arbeitgeber in einer anderen Sache telefoniert hätte - und die ihm gleich wieder eine Arbeit am anderen Ende Deutschlands angeboten haben. - Er meinte doch tatsächlich "lieber das, als hier weiterzumachen". Auf meinen Einwand, daß ich das für keine gute Idee halte auch irgendwann selber nicht mehr aushalte kam dann "ja, was soll ich dann machen - zu Hause bleiben und arbeitslos sein?".

Ich weiß gerade nicht mehr weiter... - ich kann meinen Partner doch nicht fesseln-knebeln-einsperren... - manchmal reagiert er auf die kleinste unbedachte Äußerung bockig, oder ihm kommen die Tränen... - ich mag schon gar nicht mehr von meinem Arbeitsalltag erzählen, weil es ihn so runterzieht, daß es mir im Job ziemlich gut geht (...er weiß, daß es bei mir in der Arbeit auch schon anders war, ich einen fiesen Chef hatte, gemobbt wurde etc.).

So - eigentlich wollte ich keinen "Roman" schreiben - nichtsdestotrotz tat es gut, alles mal rauszulassen.

Mein Plan in Sachen "Ich tu mir gut" ;) für heute: Irgendwann demnächst Feierabend machen, in die Stadt fahren, ein bißchen bummeln und in aller Ruhe irgendwo gemütlich Kaffeetrinken/ Leute begucken/ meine Ruhe genießen/ einfach runter kommen.

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Sa 23. Jun 2018, 16:19

Hi wirreshuhn!

wirreshuhn hat geschrieben:
Fr 22. Jun 2018, 13:44
Mein Plan in Sachen "Ich tu mir gut" ;) für heute: Irgendwann demnächst Feierabend machen, in die Stadt fahren, ein bißchen bummeln und in aller Ruhe irgendwo gemütlich Kaffeetrinken/ Leute begucken/ meine Ruhe genießen/ einfach runter kommen.

Das hört sich super an! Viel Spaß, genieß es und lass es dir gutgehen! *daumenhoch*

Du hast es nicht leicht. Vielleicht aber den Vorteil, dass du selbst Erfahrung mit dieser Erkrankung hast und daher schon mehr weißt, als "normale" Partner.

Leider habe ich keine Patentlösung für dich. Aber was deinen Mann betrifft, bzgl. der strikten Ablehnung einer Therapie, oder auf eine andere Art endlich in die Puschen zu kommen und professionelle Hilfe (neben einer Therapie) anzunehmen, kenne ich noch von mir... :roll:

Bei mir hat damals der sprichwörtliche "Eimer kaltes Wasser über den Kopf" geholfen: auf einmal war mein (fast) ganzer Freundeskreis weg, weil sie mit der BO-Erkrankung (insbesondere meinen extremen psychischen Schwankungen) nicht umgehen konnten. Das habe ich zwar wahrgenommen, war mir aber nicht so wichtig, weil ich dachte, dass ich auf solche "Freunde" sowieso verzichten kann und ja noch mein familiäres Umfeld habe.

Aber als die dann wirklich auch Ernst gemacht haben, weil sie meinen Zustand lange genug ertragen mussten und mich klipp und klar vor die Alternative "entweder wir oder deine Krankheit" stellten und auch tatsächlich Nägel mit Köpfen machten (und nicht nur redeten), ist mir schlagartig klargeworden, dass es jetzt an mir ist und ich schnell etwas tun muss, damit ich nicht alles verliere.

LG
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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Mi 4. Jul 2018, 15:23

...kleines Update, einfach auch weil ich es mir von der Seele schreiben muß:

Nachdem den Arbeitgeber die ganze Problematik überhaupt nicht interessiert hat und es meinem Mann täglich schlechter ging, war er nun gestern beim Arzt.
Der hat ihn erstmal bis Ende nächster Woche krank geschrieben, mit der Aussage, er könne jederzeit wiederkommen, wenn's ihm schlechter ginge, er Verlängerung brauche.

Uns ist beiden ein Stein vom Herzen gefallen.
Wenn auch mein Mann sich schwer tut, die Situation anzunehmen/ sich nicht als Versager zu sehen/ mit der vielen freien Zeit umzugehen (...ich laß ihn einfach mal machen - das hat mir damals selber mehr geholfen als gutes Zureden, irgendwelche Ratschläge etc.).

Eigentlich sollte er sich einen Psychotherapeuten suchen... - uneigentlich ist das hier in der Pampa nicht unbedingt leicht, er würde daher gern in eine psychosomatische Klinik, so wie ich letztes Jahr (bei mir ging das auch ohne vorherige Psychotherapie - eben weil man hier auf die Schnelle keine freien Plätze findet). - Aber da gibt's eben auch Wartezeiten - bei mir waren es damals drei Monate.

Mitte August hat er einen Psychiater-Termin. Mal sehen, was dabei rauskommt.

Mal gucken... - immerhin muß ich jetzt nicht mehr fürchten, daß er vor lauter Überforderung einen Unfall baut etc. (ich hab zuletzt jeden Abend innerlich gebangt).

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Sa 28. Jul 2018, 10:39

... sechs Wochen Ausnahmezustand - ich hab bald das Gefühl, daß auch ich nicht mehr kann bei dem ewigen hin und her/ minütlich wechselnden Stimmungsschwankungen meines Mannes.

Mein Mann wird am kommenden Dienstag stationär in der Psychiatrie aufgenommen. Hätte er auch schon ne Woche eher haben können, wenn er den ersten Termin nicht vor lauter Angst (...googelt mal nach Psychiatrie... :rolleyes: ) hätte platzen lassen.
Jetzt geht das Spiel wieder los... "ja, es ist gut daß sich was tut"... "ach, die verwahren mich doch bloß und im Internet steht, daß man da nicht rausdarf und mit Pillen vollgestopft wird"
Und dann noch die Angst, ins Krankengeld zu rutschen - was wir aber finanziell gut stemmen können und vor der Kündigung/ weiteren Zickereien seines Arbeitgebers (der ihm gestern telefonisch schon mal einen Aufhebungsvertrag anbot... - den er aber gottseidank ablehnte!)

Ab nächster Woche hab ich Urlaub, wollte eigentlich Familie und Freunde am anderen Ende Deutschlands besuchen - aber jetzt trau ich mich kaum weg...

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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von ZeroOne » Sa 28. Jul 2018, 12:09

Hi wirreshuhn!
wirreshuhn hat geschrieben:
Sa 28. Jul 2018, 10:39
Jetzt geht das Spiel wieder los... "ja, es ist gut daß sich was tut"... "ach, die verwahren mich doch bloß und im Internet steht, daß man da nicht rausdarf und mit Pillen vollgestopft wird"
Naja, es stimmt schon: in der Psychiatrie steht die Behandlung mit Psychopharmaka an oberster Stelle. Psychotherapien, wie z.B. vermehrt VT-Gesprächseinheiten sind (wenn überhaupt) eher untergeordnet.

Einerseits ist es (nach meiner persönlichen Meinung) schon wichtig, am Anfang richtig medikamentös eingestellt zu werden, um wieder halbwegs gefestigt im Leben agieren zu können, gerade wenn es davor kurz vor knapp war (z.B. Suizidgedanken oder gar -versuche).
Andererseits muss man sich aber auch im Klaren darüber sein, dass Psychopharmaka ungewollte Nebenwirkungen haben, z.B. Libido-Verlust, Müdigkeit, geistige Abwesenheit, Unfähigkeit KFZ zu fahren oder Maschinen zu bedienen, etc.
Man darf nicht denken, dass ein Mensch mit Hilfe der "bunten Pillen" wieder "ganz der Alte" ist. Oft hat man jemanden vor sich, den man nicht wiedererkennt.

"Freigang" bekommt man in Psychiatrien schon. Dafür füllt man i.d.R. Regel einen Zettel aus, den der Facharzt unterschreibt und gut... Viele Psychiatrien bieten auch ein tagesklinisches Programm an. Wenn man dafür geeignet und ein Platz frei ist, dann kommt man morgens und geht abends, wie bei einem Job auch.
Auch hat man ansonsten die üblichen Patientenrechte: man kann auf eigenen Wunsch zu jedem Zeitpunkt abbrechen. Man kann Therapien oder Medikamente verweigern, wenn man damit nicht einverstanden ist. Man kann auf eine ärztliche Zweitmeinung (auch von extern) bestehen. Etc...
wirreshuhn hat geschrieben:
Sa 28. Jul 2018, 10:39
... sechs Wochen Ausnahmezustand - ich hab bald das Gefühl, daß auch ich nicht mehr kann bei dem ewigen hin und her/ minütlich wechselnden Stimmungsschwankungen meines Mannes.

Ab nächster Woche hab ich Urlaub, wollte eigentlich Familie und Freunde am anderen Ende Deutschlands besuchen - aber jetzt trau ich mich kaum weg...
Vielleicht tut es dir ganz gut, wenn du während deines Urlaubs mal raus aus der ganzen Situation und auf andere Gedanken kommst? Freunde und Familie genießen? Die geben ja oft auch Halt, hören zu und haben vielleicht noch andere Ideen. Kannst du mit deinem Mann darüber sprechen, ob es ihm etwas ausmacht, wenn du weg bist, während er in der Klinik ist? Es wäre ja auch doof, wenn du wegen einem kurzen, täglichen Patientenbesuch deinen ganzen Urlaub zuhause absitzt. Wenn etwas wäre, dann wärst du doch bestimmt auch innerhalb eines Tages heimgereist, oder?

LG
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Re: Partner brennt immer mehr aus und will keine Hilfe

Ungelesener Beitrag von wirreshuhn » Sa 28. Jul 2018, 13:58

@ZeroOne
Offen drüber reden kann ich eigentlich nur mit meiner Mutter, alle anderen haben zu "so einem" Thema entweder seltsame Ansichten oder es ist ihnen peinlich. - Ist halt leider so.

Mein Mann sagt, daß ich ruhig fahren soll, er kommt klar. Und daß ich kurzfristig wieder herkommen würde, ist auch klar.

Ob er Medis braucht, keine Ahnung. Er ist soweit stabil, daß er hier zu Hause seinen Tag übersteht, fühlt sich aber mit vielem überfordert.
Ich hab's ohne Medikamente geschafft, hab aber auch früher interveniert als er/ mich quasi selbst aus dem Verkehr gezogen und konnte mir den Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik noch selbst organisieren.

Vorhin hab ich im KH angerufen wegen genauer Aufnahmeuhrzeit - und kriegte gleich zu hören, er solle bitte nüchtern im Sinne von nicht alkoholisiert kommen. Auf Nachfragen erfuhr ich, daß auf der Station auch Alkoholkranke entgiftet werden. - Puh...

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