Gibt es auch ein Happy End?

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
DonnaClara
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 9
Registriert: Fr 8. Apr 2016, 13:20

Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Do 14. Apr 2016, 17:28

Liebe Leser,
ich bin wirklich hilflos und weiß nicht mehr weiter. Mein Partner und ich sind seit 12 Jahren zusammen und haben im letzten Jahr ein Haus gebaut. Danach lief alles schief. Es kam schleichend...Ihr kennt das ja.
Vor 7 Wochen ist er zu seinen Eltern gezogen. Er spricht von Ruhe die er so dringend braucht. Kann vieles nicht in Worte fassen. Hat es eingesehen das er Hilfe benötigt. Das schwankt aber von Tag zu Tag.
Wir haben fast tgl kurzen Kontakt. Mal gut mal schlecht.
Ich habe in der Zeit 10 Kg verloren. Kann kaum zur Arbeit. Ich mach mir nur Sorgen und warte jeden Tag auf irgendwas.
Ich vermisse ihn unendlich, bin unsagbar traurig und weiß nicht ob es für ihn besser ist wenn wir uns trennen. Mir wird es dabei nicht besser gehen. Er kann grad keine Entscheidungen treffen. Er weiß das er mit unserer Liebe spielt und das er mich hinhält. Aber es geht ihm nicht gut.
Ich kann damit nicht umgehen. Es geht nicht mit und es geht nicht ohne ihn. Ich kann doch so viele Jahre nicht einfach hinter mir lassen??? Und ihn im Stich lassen.....
Ich habe hier noch nicht gelesen, dass es ein Happy end gibt. Kann mir jemand eine Erfolgsgeschichte erzählen die mir vllt Mut macht? Ich dreh bald durch....

Benutzeravatar
ohne Funktion
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 288
Registriert: Sa 8. Okt 2011, 22:26
Geschlecht: Weiblich
Ich bin: Betroffene(r)

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von ohne Funktion » Do 14. Apr 2016, 21:11

Hallo!

Ich denke, keine Sitiation ist wie die andere, aber BO ist ein Ausnahmezustand.

Niemand kann wissen, wie Eure Geschichte ausgeht. Aber es kann durchaus positiv sein.

In meinem Fall ist das so: Nach meinem BO, welches meinem Partner auch sehr viel abverlangt hat, sind wir inzwischen eine glückliche Familie: Eigene Wohnung, zwei Kinder,...

Das Bo muß nicht zwangsläufig zum Scheitern einer Beziehung führen.

Auch ich habe in der Krankheit das Beziehungsleben als sehr belastend empfunden: fühlte mich schuldig, daß man mit mir nichts mehr anfangen konnte; fühlte mich unter Druck, weil ich für meinen Partner wieder funktionieren wollte; hatte furchtbare Angst verlassen zu werden; konnte nichts mehr fühlen, ...
Aber mein Freund war da. Er hat versucht sein Leben zu leben und ist nicht gegangen.
Ich bin ihm sehr dankbar dafür und es hat sich in unserem Fall gelohnt. Aber die Zeit war schwer...

Kann Dir nichts versprechen, aber eine Chance habt ihr sicher. Wichtig ist viel Geduld zu haben. Schau gut auf Dich und schaue, daß Du trotzdem Dein Leben lebst. Dein Partner muß durch seine Sch*** selber durch...

Nichts erwarten und nichts erzwingen. Nichts wollen. ...das hat mir enorm geholfen, wieder zu gesunden...

Alles Gute für Euch!
"...manches ist immer wieder besser als das, was ich planen kann..." (Sonnenblume46)

DonnaClara
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 9
Registriert: Fr 8. Apr 2016, 13:20

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Do 14. Apr 2016, 21:26

Danke für Deine Antwort!
Ich erzwinge nichts mehr, lass ihn entscheiden ob und wann er mich besuchen kommt.
Doch die Erwartungshaltung ist eben immer da. Es würde mir besser gehen, wenn er wieder nach Hause kommt. Ich habe ihm vorgeschlagen getrennt zu schlafen und das jeder vorerst seinen eigenen Weg geht. Wie soll ich an seiner Seite stehen, wenn er nicht da ist???
Wie lange hat es bei Dir gedauert? Warst Du in Therapie?

Benutzeravatar
ohne Funktion
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 288
Registriert: Sa 8. Okt 2011, 22:26
Geschlecht: Weiblich
Ich bin: Betroffene(r)

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von ohne Funktion » Do 14. Apr 2016, 22:26

Ich kann mich leider oder zum Glück (?) nicht mehr wirklich an meine Empfindungen bezüglich Partnerschaft erinnern. War aber auch ungern zuhause... Bin auch mal kurz zu meiner Mutter gezogen. Ich konnte mich in der Beziehung nicht mehr ertragen...

Ich denke man kann auch zu jemandem stehen, wenn derjenige nicht da ist... Allerdings ist das natürlich viel verlagt. Vor allem, weil es Dir ja auch nicht gut geht und Du selbst eine Stütze brauchen könntest, oder? Vielleicht kannst Du Dir ja auch Hilfe holen.

Ich habe mich auch sehr unter Druck gesetzt gefühlt, aber womöglich waren das mehr meine eigenen Erwartungen, als die meines Partners...

Bei mir waren es ca. 1,5 Jahre bis das Ärgste überstanden war. Ich war sowohl stationär als auch ambulant in Therapie.
Dann war wieder Entspannung möglich und das Leben normalisierte sich wieder.
"...manches ist immer wieder besser als das, was ich planen kann..." (Sonnenblume46)

DonnaClara
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 9
Registriert: Fr 8. Apr 2016, 13:20

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Fr 15. Apr 2016, 06:27

Ich stehe zu ihm, keine Frage. Denn ich liebe ihn wirklich.
Musste mir Antidepressiva holen, warte erstmal bis sich der Spiegel aufgebaut hat. Darin sehe ich ein wenig Hoffnung, dass ich nicht komplett verzweifel. Denn die Sehnsucht nach ihm ist sehr groß und manchmal eben unerträglich.
1,5 Jahre ist eine verdammt lange Zeit. Ich ziehe den Hut vor deinem Mann!!!
Ich habe auch den Eindruck das er sich selbst unter Druck setzt. Er hat große Schuldgefühle mir gegenüber. Zudem bin ich nun allein im Haus und muss zusehen wie ich mit alldem klar komme. Das Haus war unser großer Traum...
Er hat mich verlassen, weil er der Meinung ist, dass er die Beziehung durch seine Art nicht komplett zerstören will. Ich soll ihm Zeit geben. Soweit alles gut. Nur wenn er die schlimmen Phasen hat dann sagt er mir er weiß nicht ob er wieder kommt. Und das macht mich total kaputt.

Kisch
Jungspund
Jungspund
Beiträge: 22
Registriert: Mi 30. Dez 2015, 23:38
Ich bin: Angehörige(r)

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von Kisch » Fr 15. Apr 2016, 15:08

Ich lese hier voller Interesse mit. Bei meinem Mann schwingt es auch von Tag zu Tag....einmal will er ausziehen, dann wieder nicht. Jetzt ging es ein paar Wochen gut, weil er die letzten Tage wieder sehr zurück gezogen ist, habe ich ihn heute gefragt ob er Zweifel an uns hat. Er meinte das er sich nicht sicher ist, da er merkt wieViel mir diese Zeit sehr viel abverlangt und er dagegen ankämpfen. Er setzt alle Hoffnung in unseren Urlaub Ende Mai. Sein Therapeut und auch sein Arzt meinen das es ihm/ uns gut tut.
Es ist schwer mit dieser Ungewissheit zu leben und nicht zu wissen ob es gut ausgeht oder nicht.
LG Kirsten

Nudelchen2

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von Nudelchen2 » Fr 15. Apr 2016, 16:06

Hallo,
wenn der Partner sagt, er wüsste nicht, wie es in der Beziehung weiter geht, kann ich das total verstehen. Ich bin Betroffene und hatte viele viele Phasen, in denen ich nicht wusste wie es mit mir, meinem Kind, meinem Job und meinem ganzen Leben weiter gehen soll. Das war bei mir auf die Hilflosigkeitsgefühle durch die Depression zurück zu führen. Das war ein Hin und Her.

Im Laufe der Gesundung hat sich das verändert. Eigentlich geht nun doch alles so weiter wie bisher. Zuerst dachte ich, ich müsste mein Leben ändern und alles umkrempeln, weil nichts mehr "passend" erschien. Aber das waren nur Phasen. Nun habe ich gar keine großen Änderungen vorgenommen nach Außen hin. In mir drinnen habe ich dagegen ganz viel geändert.

Will sagen: Macht Euch nicht verrückt (ich weiß, das ist leicht gesagt), wenn Euer Partner aus Hilflosigkeitsgefühlen und eigener Unsicherheit die Beziehung in Frage stellt, auszieht oder sich komplett zurück zieht.
Es kann natürlich alles so oder so kommen mit der Beziehung. Aber es loht sich bestimmt, positiv zu bleiben.
Viele Grüße

Benutzeravatar
ohne Funktion
Schnattertasche
Schnattertasche
Beiträge: 288
Registriert: Sa 8. Okt 2011, 22:26
Geschlecht: Weiblich
Ich bin: Betroffene(r)

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von ohne Funktion » Fr 15. Apr 2016, 23:16

Nudelchen2, da kann ich nur zustimmen. Im BO bleibt einem keine Wahl: Alles muss in Frage gestellt werden. So ein Zustand ist unerträglich und man hat große Schuldgefühle seinen Liebsten gegenüber...
Dinge nur noch negativ zu sehen, ist ein wesentliches Symptom der Erkrankung. Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Man kann sich selbst keine Hoffnung machen und anderen auch nicht.
DonnaClara, es tut mir leid, dass es Dich gerade so mit runterzieht. Gut, daß Du Dir Hilfe holst (auch medikamentös).
Die Zeit wird zeigen, wie's weiter geht. Aber es geht laaaangsam und Geduld zu bewahren ist soooo mühsam.
Leider liegt auf dem Weg zur Erfüllung der Träume auch die Gefahr sich zu überfordern, über seine Grenzen zu gehen und sich zu erschöpfen...
Aber es kann wieder aufwärts gehen, auch wenn man daran oft nicht mehr glauben kann!
"...manches ist immer wieder besser als das, was ich planen kann..." (Sonnenblume46)

Benutzeravatar
Olchi39
Ehrwürdiger Meister
Ehrwürdiger Meister
Beiträge: 635
Registriert: Mo 10. Aug 2015, 19:52
Geschlecht: Weiblich
Ich bin: Betroffene(r)
Herkunft: Bayern

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von Olchi39 » Sa 16. Apr 2016, 12:09

DonnaClara hat geschrieben:Vor 7 Wochen ist er zu seinen Eltern gezogen. Er spricht von Ruhe die er so dringend braucht. Kann vieles nicht in Worte fassen.

Als es mich erwischt hat, da war alles eine Belastung: Mein Mann, meine Kinder, die familiäre WG, Haushalt.... Da wäre ich gerne geflüchtet, irgendwohin ausgezogen, wo ich meine Ruhe gehabt hätte.
Leider war dies nicht möglich.
So hat mich dieses "Eingesperrt" sein in der Familie zusätzlich unter Druck gesetzt, hat mich schier zerrissen.
Ich habe mich nicht verstanden, hatte keine Perspektive, alles ungewohnt und hat mir Angst gemacht. Reif für die Anstalt.... Da hatte ich Gedanken, die ich früher nie bei mir für möglich gehalten hätte. Wie sollte ich das jemandem erklären, wo ich es doch selbst nicht verstand und im Kopf nur noch wirre nicht-endende Gedankenschleifen waren. Alles ist in Frage gestellt. Auf was kann ich mich denn überhaupt noch verlassen, wenn ich mich noch nicht mal auf mich selbst verlassen kann? Und wann hört das auf? Hört das irgendwann überhaupt wieder mal auf?

Das schreibe ich Dir nur, damit Du die Situation von der anderen Seite her siehst.

Wichtig ist, daß Du Dich gut um Dich kümmerst - hol Dir Hilfe bei Freunden, Forum, Ärzten, so wie Du es schon ganz richtig gemacht hast.



Gibt es ein Happy End?
Abwarten....
Gute 24 Stunden,

Olchi39

DonnaClara
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 9
Registriert: Fr 8. Apr 2016, 13:20

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Sa 16. Apr 2016, 21:47

Lieben Dank für Eure Antworten!
Irgendwie beruhigt es mich ein wenig, dass ich/wir nicht die einzigen Betroffenen sind mit doch so sehr ähnlichen Schicksalen.
Er war gestern zu Hause und haben geredet. Es war ein gutes Gespräch. Für mich ein ganz kleiner Anfang...Er sagt, dass er gute und dann wieder weniger gute Tage hat. Und das er unsere Beziehung nicht in Frage stellt, sondern einfach um Ruhe bittet.
Gut, ich warte...

Antworten

Zurück zu „Fragen von Angehörigen, Freunden und Kollegen ...“