Gibt es auch ein Happy End?

... in Bezug auf den Umgang mit BurnOut-Betroffenen, deren Gefühlswelt oder sonstige Themen ...
DonnaClara
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Mo 18. Apr 2016, 17:00

Liebes Forum,
nachdem unser Treffen am Freitag eigentlich positiv war, bin ich heute wieder ganz unten. Es fällt mir so schwer die nötige Kraft und Geduld aufzuwenden. Ich sitz hier allein in unserem Haus. Ich habe echte Zukunftsängste, weil ich nicht weiß ob und wie es weiter geht.
Obwohl er sich fast tgl. bei mir meldet - ich übe mich in Zurückhaltung- sollte ich doch positiv gestimmt sein?? Ich weiß, dass viele Betroffene gar keinen Kontakt mehr haben.
Das schlimme ist auch, dass er scheinbar kein Gefühl dafür hat, wie ich mich in dieser Situation fühle. Ich weiß das er dafür nichts kann. Es verletzt mich trotzdem sehr und fühl mich total allein. Von all dem kann ich ihm ja nichts sagen. Das treibt ihn von mir weg.
Was tut Ihr in solchen Situationen?
LG

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kleinesmaedchen
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von kleinesmaedchen » Mo 18. Apr 2016, 18:20

Huhu liebe DonnaClara,

ich kenne deine Situation nur zu gut und es braucht einfach viel Geduld. Es geht mal besser, es geht mal schlechter.

Mir hilft manchmal einfach zu weinen und alles rauszulassen. Für mich ist das manchmal ein guter Druckabbau, weil man ja vieles gezwungener Maßen mit sich alleine ausmachen muss. Dabei muss man das gar nicht als verzweifelt empfinden, wenn man akzeptiert, dass es gerade einfach alles doof ist, dann löst sich der Druck etwas auf. Ich habe mir am Anfang einfach wahnsinning viel Stress gemacht, weil ich meine Situation immer mit meinen Wünschen und Traumvorstellungen abgeglichen habe. Da konnte die Realität nur verlieren und mir ein schlechtes Gefühl geben. Ich gebe diesen Bildern einfach keinen Raum und sage mir, darum kümmern wir uns, wenn er wieder gesund ist.

Mir hilft auch oft ein ziemlich pragmatischer Gedanke. Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder durchhalten und der zuversichtliche Mensch werden, den unsere Partner zum Gesundwerden brauchen oder aber trennen und einen neuen Weg gehen. Hand aufs Herz: beide Wege sind extrem schmerzhaft, also den wählen, den man besser aushält und nicht damit hadern. In Momenten wo ich glaube es kaum auszuhalten, hilft mir der Gedanke, dass die Alternative noch viel schmerzhafter wäre. Ist vielleicht für andere ziemlich fatalistisch, aber für mich setzt es das Leid in die richtige Perspektive.

An guten Tagen (und die werden mit der Zeit wirklich häufiger und überwiegen die schlechten Momente mit der Zeit) kümmere ich mich aktiv um mich selbst und sage mir dabei stets, dass ich nicht nur etwas für ihn tue, indem ich optimistisch und zuversichtlich bin, sondern auch etwas für meine eigene Stärke. Die hilft mir einerseits durchzuhalten und im Zweifelsfall auch die negative Alternative zu überleben ;)

Im Endeffekt ist es extreme mentale Arbeit. Gedankenschleifen erkennen und hinterfragen. Oft wirst du sehen, dass sie unnötig sind. Z.B. hat er dir gesagt, dass er die Beziehung nicht in Frage stellt, sondern einfach nur Zeit braucht. Und wenn ihr den Rest eures Lebens zusammen sein wollt, dann ist die Phase jetzt ein Katzensprung im Vergleich dazu.

Die mentale Arbeit versuche ich bewusst zu unterstützen, indem ich aktiv versuche mich selbst auch wiederzufinden. Denn mal ganz plakativ ausgedrückt, brauchen wir unsere Partner nicht um ein erfülltes Leben zu führen, sondern sie sind eine Bereicherung eines ohnehin wertvollen Lebens. So leicht wie sich das hier aufschreibt und liest, ist es natürlich in der Umsetzung nicht. Aber wenn einem dieser Gedanke Schmerzen bereitet (und das hat er bei mir am Anfang sehr!), dann ist das ein Zeichen, dass wir mit uns selbst auch nicht ganz im Reinen sind. Ich sehe die Phase ohne ihn jetzt als meine Chance trotz der Beziehung mich ganz um mich selbst kümmern und neu kennenlernen zu können. Wer kann das in einer Beziehung schon von sich behaupten? ;) Die meisten müssen erst eine Beziehung beenden, um das tun zu können :D

Ich hoffe, du findest in diesen Zeilen vielleicht das ein oder andere, das dir hilft!

Sei zuversichtlich, denn polemisch gesagt hilft uns alles andere eh nicht weiter :D

Übrigens hilft mir gerade das Buch: "Der innere Jakobsweg" sehr.

GLG und viiiiel Kraft

Nudelchen2

Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von Nudelchen2 » Mo 18. Apr 2016, 20:10

Hallo kleinesmädchen,

ich finde das beeindruckend, was Du schreibst!

Als Betroffene verstehe ich meinen BO als Einladung für Weiterentwicklung und persönliches Wachstum. Es ist nun Zeit für Veränderungen. Das ganze Leben besteht aus Veränderungen. In Beziehungen sind auch Veränderungsprozesse im Laufe des Lebens nötig. Sogar ohne BO. Ist der BO des Partners nicht auch eine Einladung für Wachstum und Weiterentwicklung für Angehörige?

Ich will hier nichts schön reden. Ich glaube, dass die Situation sehr leidvoll ist. Aber Du beschreibst oben sehr gut, wie man auch als Angehöriger aus der Opferrolle raus kommen kann und sich der Herausforderung stellen kann. Damit kommt man nicht umhin, traurig zu sein, Angst zu haben, Unsicherheit und Verzweiflung zu erleben usw. In dem Moment, wo man sich aktiv in der neuen Situation um Linderung bemüht und eine andere Perspektive einnimmt, ändert sich aber doch etwas zum Guten, denke ich.
Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt?

Als Betroffener hat man im Grunde auch die zwei Möglichkeiten: Entweder man steckt den Kopf in den Sand und suhlt sich im Leid, oder man begreift den BO als ein Syndrom, was einem anzeigt, dass Veränderungen im Leben anstehen. Und dann packt man es an! Die Erkenntnis kommt nicht sofort und alles dauert seine Zeit. Aber das ist ein Prozess. Für Betroffene aber auch für Angehörige.

Alle Gute auf Deinem Weg!

DonnaClara
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Di 19. Apr 2016, 21:03

Hallo Kleinesmädchen,
lieben Dank für Deine einfühlsamen Zeilen. Ich habe lange über den einen und anderen Gedankengang von Dir nachdenken müssen. Ich frage mich auch woher Du diese Kraft nimmst.
Ihn aufgeben ist für mich keine Option. Das Problem ist, dass ich mich selbst überfordere und den negativen Gefühlen zu viel Raum gebe.
Heute geht's mir etwas besser. Der Kontakt zu ihm besteht weiterhin. Er sagt, dass es ihm seit Tagen gut geht. Er hat angefangen zu joggen und ist begeistert davon. Das freut mich sehr.
Trotzdem warte ich sehnsüchtig auf den Tag an dem er wieder zurück kommt. Ich frage nicht danach. Auch wenn es schwer fällt.
LG

DonnaClara
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von DonnaClara » Sa 7. Mai 2016, 06:32

Liebe Leser,
wollte mich mal wieder zu Wort melden und Euch die derzeitige Situation schildern.
Nachdem ich eingesehen habe, dass ich die Situation akzeptieren muss, geht es langsam bergauf. Ich bin ein wenig ruhiger geworden. Melde mich nicht mehr bei ihm. Weil er sich mehrmals am Tag bei mir meldet! Manchmal ruft er an und kommt mich 1-2 mal die Woche besuchen.
Wir reden viel über unsere Beziehung. Er sagt es geht ihm schon besser und das er wieder kommt!!! Darauf muss ich jetzt vertrauen und gibt mir die Kraft durchzuhalten!!!
Den Gedanken, wie es dann wohl werden wird wenn er zurück ist, verdränge ich komplett. Das wird sicherlich auch nochmal ein Stück Arbeit werden...
In den letzten Wochen habe ich ihm nicht gezeigt das es mir nicht gut geht. Habe versucht ihm gegenüber normal wie immer zu sein. Dadurch wurde er viel lockerer. Wir sind noch nicht über den Berg, aber ein gutes Stück weiter.
Ich wünsche uns allen die nötige Kraft!

claudia69
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von claudia69 » Sa 7. Mai 2016, 07:20

Hallo,
wenn man das hier alles lies, findet man sich selber wieder.
Mein Partner ist auch seit einem halben Jahr erkrankt. Wir haben schon 3 Monate ambulante Therapie und 2 Monate stationäre Therapie hinter uns. Wir wohnen nicht zusammen, haben uns deshalb nur am Wochenende gesehen. Während der Krankenhausaufenthalte ging es ihm recht gut.Es ging aufwärts. Er durfte immer eine Nacht am Wochenende nach Hause.Die Zeit haben wir dann miteinander verbracht, aber auch mit seinen Kumpels und seinem Hobby Fußball. War schwierig alles in so ein kurzes Wochenende zu packen. Aber ging irgendwie. Nun ist er wieder zu Hause und wartet auf seine Reha. Ich dachte wir hätten das gröbste überstanden. Aber da habe ich mich leider getäuscht. Er hat sich immer mehr zurück gezogen. Hat sich kaum noch bei mir gemeldet. Ich habe immer versucht an ihm dran zu bleiben...aber vergebens. Vor ein paar Tagen konnte ich nicht mehr....ich konnte es nicht mehr ertragen ihn leiden zu sehen und nicht helfen zu können....ich konnte nicht immer die gut gelaunte Person spielen, wonach mir nicht war....Ich brauchte auch mal eine Schulter zum anlehnen.Er konnte sie mir nicht geben.
....Ich konnte es nicht mehr ertragen gedemütigt und mißachtet zu werden.....Ich habe dann meine Sachen aus seiner Wohnung geholt und bin gegangen.Er saß nur da und sagte gar nichts.....Dieser Zustand ist noch schlimmer....Er fehlt mir so....Es bringt mich um den Verstand nicht zu wissen wie es ihm geht....er blockt mich ab...sagt ohne ihn wäre ich besser dran und ich versuche ihm immer wieder klar zu machen, daß ich doch nur ihn will..ihm helfen will....Kommt nicht an bei ihm...er blockt weiterhin.
Er trinkt leider auch sehr viel...Im Alkohol versucht er seinen Kummer zu ertränken...das er alles noch viel schlimmer macht, merkt er auch noch nicht.Ich werde heute zu ihm fahren...ich weiß wo er sich Samstags Nachmittags immer aufhält...zum Fußball gucken. Werde einfach da sein...so wie früher.Entweder freut er sich oder schickt mich weg, aber ich muß ihn unbedingt sehen.
Vielleicht hat er ja auch einen guten Tag heute und wir reden sogar ein bißchen. Ich werde ihm auch keine Vorwürfe machen,sondern versuchen ihm beiseite zu stehen ohne Erwartungen nur mit leisen Hoffnungen. ....

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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von kleinesmaedchen » Sa 7. Mai 2016, 18:20

liebe DonnaClara,

vielen Dank für deinen Bericht...es tut gut zwischen all den negativen Geschichten hier auch mal wieder etwas kleines positives zu lesen. Sei stolz auf dich, dass du die Situation so gut meisterst, denn das tust du und er spürt es anscheinend!

Ich beneide dich fast ein wenig, dass ihr schon so gut vorangekommen seid, denn so oft wie er sich meldet und dich sogar besucht, klingt das nach einem guten Weg, den ihr da gerade geht!

Ich würde mich über weitere Berichte von dir freuen, gerade die positiven Zeilen kommen dann ja oft nicht mehr ins Forum, weil es einem wieder gut geht, aber als Angehöriger, der noch in der tiefen Krise steckt sind es ja gerade diese kleinen Hoffnungsschimmer!

liebe Claudia,

das hört sich alles ganz schön brisant bei dir an. Aber wir müssen uns halt selbst auch irgendwie schützen, wenn es einfach nicht mehr geht. Obwohl ich nicht glaube, dass er dich missachtet und demütigt bzw. nicht absichtlich...natürlich fühlen sich vieles von dem was unsere Partner so tun genau so an, aber der Unterschied ist meines Erachtens die Motivation die dahinter steht. Missachtung und Demütigung liegt für mich persönlich immer Absicht zu Grunde oder Böswilligkeit. Beim BO liegt beides nicht vor. Natürlich ist es eine absolute Gratwanderung, aber es kann helfen, die Dinge selbst anders zu bewerten.

LG und viel Kraft

SenzaNome1
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von SenzaNome1 » Di 10. Mai 2016, 17:21

Hallo zusammen ...

Es ist echt schön zu lesen, dass es, trotz der schwierigen Zeit, möglich ist eine Beziehung aufrecht zu erhalten und wieder glücklich zu werden.

Mein Freund leidet seit Mitte Februar an BO und ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen. Er hat seine Arbeit von heute auf morgen gekündigt und ist zu seiner Mutter und seinem Sohn gezogen, welche in einem anderen Bundesland wohnen. Seit Februar versuche ich regelmäßig ein Treffen mit ihm zu vereibaren, das er jedoch immer wieder absagt. Ich denke mir dann immer, dass er mich nicht wirklich liebt und es ihm egal ist ob wir uns sehen oder nicht. Wenn ich daran denke geht es mir sehr schlecht und weiß dann oft nicht mehr weiter, da ich ihn wirklich sehr gern habe.
Wir schreiben jeden Tag SMS und er schreibt auch oft, dass er mich liebt. Würde ihn einfach gerne wieder einmal für ein paar Stunden sehen um ihn einfach nur zu umarmen und mit ihm zu reden. Habe ihm auch schon vorgeschlagen, dass ich zu ihm komme und einige Stunden Autofahrt in Kauf nehmen würde nur um ihn zu sehen, doch auch das will er scheinbar nicht, da er wenn es ums Treffen geht wieder abblockt.

Ich habe heute sehr viele Beiträg in diesem Forum gelesen und manche davon haben mich ermutigt, das Ganze irgendwie durchzustehen.

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Kämpferin
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von Kämpferin » Di 10. Mai 2016, 20:38

Senza herzlich willkommen,

Ich hab ihn auch schon lange nicht mehr gesehen

mh0809
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Re: Gibt es auch ein Happy End?

Ungelesener Beitrag von mh0809 » Do 12. Mai 2016, 13:58

Hallo Donna Clara,
so wie Du Dein Problem beschreibst, geht es meinem Sohn und darum habe ich mich auf diesem Forum angemeldet. Persönlich habe ich auch eine BO-Geschichte. Daher weiss ich aus eigener Erfahrung, dass es ohne Hilfe nicht geht. Dein Mann sollte einen Psychotherapeuten aufsuchen. Allerdings muss man halt selbst erkennen, dass man Hilfe braucht. Meine Schwiegertochter sucht auch Ruhe und ist ausgezogen. Dabei liegt die Lösung so nah und wäre relativ einfach. Die Betroffenen haben Angst vor "PSYCHE" - leider.
Ich wünsche dir viel Kraft
mh0809

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