Erfahrungen mit Therapeuten?

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1234
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Erfahrungen mit Therapeuten?

Ungelesener Beitrag von 1234 » Di 4. Sep 2018, 20:53

Hallo,

mich würde mal interessieren, was ihr so für Erfahrungen mit Therapeuten habt?

Ich habe nämlich sehr schlechte und weiß jetzt nicht, ob das an meiner Erwartungshaltung liegt, oder ob das tatsächlich einfach Pech ist.

Meiner Erwartung ist eigentlich, dass man psychisch aufgebaut wird und stabilisiert, dass man dann an ungünstigen Denk- und Verhaltensmustern arbeitet (und diese vor allem erst einmal definiert), und vor allem, dass der Therapeut auch auf einen eingeht und einem hilft, wie man mit dem umgeht, was einen stresst bzw. frustriert bzw. zur Verzweiflung bringt, wie auch immer.

Meine Erfahrung u.a. nach 3 ambulanten Therapeuten ist jedoch, dass der Begriff Burn-Out nicht verstanden ist ("das ist keine Diagnose", "das ist, wenn man seine Grenzen nicht kennt", "das ist eine Depression", "das ist eine Somatisierungsstörung",...).

Kraftlosigkeit wird einfach einer Antriebslosigkeit gleichgesetzt (und Antriebslosigkeit dann wiederum mit Lustlosigkeit), es wird nicht verstanden, dass man zwar will, aber einfach nicht mehr kann und dass genau das einen depressiv macht. Von einer hilfreichen Therapie also gar nicht erst anzufangen. Das gleiche gilt übrigens für die meisten Ärzte.

Dass es nicht an mir liegt, mache ich daran fest, dass es ein paar (Fach-)Ärzte und Psychologen gab, die mich verstanden haben, leider nicht die, die mich behandeln.

Grundsätzlich definiert irgendwie auch andersherum sowieso jeder alles wie er will, sei es ein Burn-Out, eine Depression oder eine Somatisierungsstörung.

Was aber alle ambulanten Therapeuten gemeinsam hatten: offensichtlich sind sie der Meinung, es müsste irgendetwas in der Kindheit oder Jugend geben, was irgendein Denkmuster (ja welches eigentlich, liebe Therapeuten, wenn ihr mein genanntes offensichtlich nicht glaubt?!) verursacht und es wäre schon des Burn-Outs Heilung, wenn man dem Patienten irgendetwas in dieser Richtung als Lösung präsentiert. Aber es muss natürlich auch vom Therapeuten aufgezeigt werden, denn wenn man selbst sich kennt und etwas sagt, dann zählt es nicht.

Ich bin da eigentlich offen mit meiner Vergangenheit (den Therapeuten gegenüber) und habe auch zweien jeweils etwa 3 Monate lang ungaublich viel erzählt, was sie so wissen wollten, das hat aber zu nichts geführt, im Gegenteil, ich war total frustriert darüber, dass sie nie auf meine Punkte aus der Gegenwart eingegangen sind, was zusätzlich zu den Antidepressiva wiederum die Symptomatik verschlimmert hat, weil mich Wut und Verzweiflung über die Situation regelrecht aufgefressen haben und ich nichts dagegen tun konnte.

Man muss sich vorstellen, man ist total am Ende, hat keine Kraft mehr, ist müde, kann aber nicht schlafen, kann nicht mehr denken, sich nicht mehr konzentrieren, die einfachsten Dinge sind plötzlich wahnsinnig anstrengend, man bekommt seinen Alltag nicht mehr richtig geregelt, will eigentlich nur noch sterben, muss aber trotzdem weiter und weiter und weiter kämpfen, ohne Hilfe, und versuchen, wieder auf die Beine zu kommen. Man weiß, dass man Zeit braucht, bekommt diese nicht, man bekommt Existenzängste, weil man das Gefühl hat, dass es einem nie wieder gut gehen wird und man nie mehr arbeiten kann und man weiß einfach nicht, was man TUN soll, damit es einem besser geht. Man ist abhängig auf Hilfe von außen und bekommt sie einfach nicht.

Was mir in der Reha dann geholfen hat, war zum einen, dass man sich tatsächlich für einen längeren Zeitraum um nichts kümmern musste, als einfach den Plan zu befolgen mit den Anwendungen, selbst das war am Anfang schwierig. Und zum anderen Leute, die einen mitgezogen haben, denen es genauso ging bzw. die Verständnis haben. Der Anfang war echt hart und ich bin eher wie so ein gehirnloser Zombie mitgelaufen, aber es hat abgelenkt und aufgebaut.

Was ebefalls ein hilfreiches Konzept war, war die Gruppentherapie. Dort haben Teilnehmer Themen angesprochen, für die sie Lösungen brauchten, also im Grunde Problemsituationen oder Denkmuster. Die anderen Teilnehmer konnten dann Ratschläge geben und moderiert wurde das von einer Psychologin. Was aber in den meisten Fällen passiert war, dass es ganz viele Leute mit ähnlichen Denkmustern gab, die alle eine Lösung wollten. Ich hab mich dann immer gefreut, und es hat mich beruhigt, dass man nicht die einzige ist und es aus meiner Sicht den Therapeuten dann auch gezeigt hat, was unser Problem ist und (endlich) darauf auch mal eingegangen wird. Die Therapeutin hat dann dahinterliegende Denkmuster aufgezeigt und/oder mit uns Lösungen erarbeitet. Leider war die Zeit mit einer Stunde zu knapp, häufig sind die Lösungen dann nicht zuende verfolgt worden. Außerdem gab es immer ein par Querulanten und es waren auch nicht immer Themen, die einen betrafen (es war auch eine gemischte Gruppe an Indikationen).

Leider ist die körperliche Regeneration sehr viel langsamer als gehofft, obwohl das Einschlafen wieder klappt weitestgehend. Da ist wohl zuviel kaputt gegangen.

Aber der Ansatz in der Gruppentherapie war eigentlich die Richtung, die ich mir auch in einer Verhaltenstherapie vorgestellt habe. Vor allem würde mir jemand helfen, der mich strukturiert aufbaut.

Inzwischen habe ich es aufgegeben, einen Therapeuten zu finden, scheinbar sind die in der Reha verwendeten Ansätze kein Teil einer verhaltenstherapeutischen Standard-Ausbildung, und mich stressen/frustrieren die Therapeuten und machen mich noch depressiver und verzweifelter, weil ich mir immer Gedanken darüber mache, wie ich mich ausdrücken kann, dass sie mich bzw. das Thema Burn-Out verstehen und mich dann innerlich total aufrege und fassungslos bin, wenn sie nicht darauf eingehen, was alles momentan extrem viel Energie kostet. Außerdem ist es noch extrem anstrengend immer und immer und immer wieder dasselbe zu erzählen, was diese ebenfalls nicht verstehen (also dass es anstrengend ist).

Meine Strategie ist momentan (ich befinde mich in der Wiedereingliederung), mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, zu versuchen, mir so wenig Gedanken wie möglich zu machen, mich von "Stress"situationen (jeder definiert ja Stress für sich anders) sowie mental zu komplexen anstrengenden Sachen fernzuhalten und mich selbst irgendwie zu entschleunigen und aufzubauen, damit ich nicht wieder den Boden unter den Füßen verliere. Und einfach darauf zu hoffen, dass sich der Körper jetzt wieder regeneriert. Aber es gibt immer noch Tage, da quäle ich mich zur Arbeit und bin froh, dass ich nur die paar Stunden habe.

Die Arbeit hilft auf der einen Seite, weil sie Spaß macht und ablenkt aber sie ist auch (mental) anstrengend. Der Stufenplan hilft mir viel, aber ich habe immer noch die Angst im Hintergrund, dass ich bzw. mein Körper es nicht schafft. Ich finde es schwierig, weil man auf der einen Seite ja will und auch trainieren muss, aber auf der anderen Seite im Augenblick nicht mehr das leisten kann, was man mal konnte, man hat also keinen Maßstab und man muss aufpassen, dass man sich nicht zu viel zumutet.

Nachdem ich auch bei dem 3. Therapeuten abgebrochen habe, der nicht einmal im Ansatz die Themen kannte, die ich aus der Reha mitgebracht habe (das war ja mein Hoffungsschimmer für eine ambulante Therapie), habe ich gemerkt, dass es mir eigentlich im Augenblick doch besser damit geht, keinen zu haben (dann hat man auch keine Erwartungen).

Jetzt bin ich etwas ausgeschweift, aber es tat auch gut, das mal zu schreiben. Zurück zu meiner Frage:

Was habt ihr denn so Erfahrungen gemacht wie die Therapeuten inhaltlich vorgegangen sind? Also konstruktives Erarbeiten von Verhaltensänderungen/Denkmusteränderungen oder eher Definition einer Ursache aus der Kindheit als Lösung des Problems?

Viele Grüße

1234

Lotusblume
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Re: Erfahrungen mit Therapeuten?

Ungelesener Beitrag von Lotusblume » Fr 14. Dez 2018, 21:56

Hallo 1234

Dein Eintrag ist zwar eine Weile her, ich möchte aber trotzdem ein paar Zeilen schreiben.
Ich habe es leider auch so erlebt, dass die Therapeuten entweder nicht wirklich einschätzen konnten, was mir fehlt oder ich mich bei ihnen nicht wohl gefühlt habe. Bis ich meine Diagnose erhalten habe, ging es ganze 2 Jahre!!
Ich kenne das Gefühl, dass man dann wirklich drüber nachdenkt, ob man überhaupt noch zu einem Therapeuten gehen will....

Allerdings muss ich an meiner Stelle sagen, dass ich seit der Diagnose doch besser verstanden werde, wenn ich davon spreche, dass ich über\an der Grenze bin und mein Körper dies krass ausdrückt übers Vegetative und meine Seele leidet.

Ich hatte zuerst eine Psychiaterin, die verhaltenstherapeutisch die Platzangst, welche aufgrund von zu viel Stress (wieder) erschien, behandelte. Zur Ursache dessen ging sie nicht (diese meine ich, selber ohne TH herausgefunden zu haben). Dann ein Psychologe, welcher gesprächstherapeutisch arbeitete, v.a. systemisch. Dort war es mehr Pflästerliarbeit. D.h. Die akuten Stressmomente anschauen und verhaltenstherapeutisch verändern. Das hat mir zwar sehr geholfen. Aber die Ängste und Panikattacken waren kein Thema. Dadurch kam es sooo zur Verschlechterung, dass ich mich fast nirgends mehr sicher fühlte. In der Klinik (nach 2 Jahren Therapie!!!!!) dann erstmals konkrete Fragen und Hilfestrategien. Wie gesagt, dann ging es aufwärts. Es folgte eine Psychiaterin, bei welcher ich die PA mittels EMDR anging. Hat sehr geholfen. Die zog leider weg :-( Dann neue Psychologin, passte gar nicht. Jetzt wieder ein Psychiater. Menschlich passt es. Therapeutisch weiss ich noch nicht.

Ich glaube, was wir beide beschreiben, haben andere sicher auch erlebt. Es braucht einfach seine Zeit.

Bist du denn mittlerweile wieder bei einem Therapeuten?

Liebe Grüße
Lotusblume

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Re: Erfahrungen mit Therapeuten?

Ungelesener Beitrag von Lotusblume » Fr 14. Dez 2018, 22:03

Hallo 1234

Ich nochmals. Also noch konkret zu deiner Frage: Zu Beginn war es eher die Erarbeitung von Verhaltensveränderungen\Denkmuster und dadurch Stressreduktion. Später und teilweise wurden dann auch Bezüge gemacht zu meiner Kindheit. Ich hatte zwei Traumata. Es wurde aber nicht konkret danach gefragt, sondern das kam bei mir von alleine hoch, sodass ich merkte, dass ich es noch nicht verarbeitet habe.

Noch als Anmerkung: Neben Psychotherapie machte ich Maltherapie und später Kinesiologie. Das war bei mir sehr hilfreich, um zu erkennen, was mein Untwrbewusstes verarbeiten wollte...

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Re: Erfahrungen mit Therapeuten?

Ungelesener Beitrag von Caro » Sa 15. Dez 2018, 21:38

Hallo 1234,

vielleicht magst mal meinen Beitrag hier lesen
https://www.burn-out-forum.de/forum/109/17872

ich möchte Dir auf keinen Fall etwas einreden,allerdings sind alle Therapeuten AUCH nur Menschen
wie Du und ich und können uns eigentlich nur auf dem Weg begleiten.

Die "MACHER" sind wir, wir selbst .

Viele Grüße
Caro
Nimm mich so wie ich bin

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Re: Erfahrungen mit Therapeuten?

Ungelesener Beitrag von jedi » Mo 17. Dez 2018, 16:15

Hallo !
Caro hat geschrieben:
Sa 15. Dez 2018, 21:38
allerdings sind alle Therapeuten AUCH nur Menschen
ja, so ist ist !!!!
Caro hat geschrieben:
Sa 15. Dez 2018, 21:38
nur auf dem Weg begleiten
man könnte TP , für eine gewisse zeit (der Therapie), auch als ein reiseleiter verstehen.
ein auftrag kann sein, dich bei der selbsterfahrung zu begleiten u. dich mit impulsen zu versorgen, die es dir selbst ermöglichen, deine verhaltsmuster zu erkennen u. deine erfahrung mir deinem denken, deinen einstellungen u. überzeugungen einmal auf den prüfstand zu stellen.
dazu können von seiten des TP seine hausaufgaben oder aufträge an den klienten helfen, in der zwischenzeit, bis zur nächsten therapiesitzung u. auch später, etwas an die hand bekommen zu haben, um damit zu arbeiten u. neue erfahrungen zu machen.
bei konsequenter u. regelmäßiger anwendung solcher übungen, ist unser gehirn in der lage, sich mit den neuen erfahrungen zu verknüpfen.

so wäre es auch wichtig, den richtigen TP, mit dem richtigen fachlichen schwerpunkt zu suchen u. auch hoffentlich zu finden.
je nach psychischer erkrankung, braucht es eine KVT-kognitive verhalts-therapie, eine verhaltens-therapie, eine trauma-therapie
eine psychoanalsyse, eine tiefenpsychologische fundierte therapie, eine analytische psychotherapie und oder eine der anderen therapieformen die es noch gibt.
Caro hat geschrieben:
Sa 15. Dez 2018, 21:38
Die "MACHER" sind wir, wir selbst .
sehe ich persönlich auch so, daß unser persönliches tun, die übernahme unsere ganz persönliche verantwortung wohl den höhsten anteil u. erfolg in sich birgt, wieder gesund werden zu können.

natürlich um nicht einen falschen eindruck zu vermitteln, es läge ausschließlich nur an den betroffenen, so hängt auch ein gewichtiger anteil daran, an einer guten u. vertrauensvollen beziehung zw. TP u. Klient u. den guten fachlichen kenntnissen u. erfahrungen des TP oder Psychologen.

jedi

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