2.4 Beruflicher Stress
… zählt zu den am häufigsten genannten Ursachen für ein BurnOut-Syndrom. Häufig ist es sehr schwer festzustellen, wo das eigentliche Problem liegt. Oft schildern die Betroffenen, dass sie nicht mehr zur Arbeit gehen können, weil sie sich dort nicht mehr wohl fühlen. Es wird von Widerwillen über Desinteresse bis hin zu Panikattacken und Kreislaufproblemen alles berichtet. Diese Symptome treten nicht erst an der Arbeitsstätte, sondern oft schon auf dem Weg dorthin auf. Manch einer beginnt bereits zu zittern oder bekommt Schweißausbrüche, wenn er nur an die Arbeit denkt.
Im Folgenden möchte ich einige häufige Ursachen dafür nennen, warum die berufliche Tätigkeit in den Fokus des BurnOut-Interesses rückt.
Nicht angepasste Anforderungen: der Drang, sich anderen gegenüber möglichst gut zu verkaufen, ist biologisch und gesellschaftlich verankert. So hat es sich im Rahmen der Evolution als sinnvoll erwiesen, den besten Paarungspartner zu bevorzugen. Um den bestmöglichen Kandidaten zu ermitteln, werden viele Gegebenheiten ausgewertet. Das äußere Erscheinungsbild, bestimmte Charaktereigenschaften, aber auch die Stellung im sozialen Gefüge machen attraktiv. Nicht zuletzt aufgrund dieser Zusammenhänge möchte jeder gut da stehen. Der Konkurrenzkampf ist groß. So kommt es dazu, dass Vorgesetzte wie Unterstellte dazu neigen, möglichst angesehen zu sein. Man ist mit dem Erreichten nicht mehr zufrieden, möchte immer besser und damit angesehener werden. Im Zusammenhang mit den heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten ist der grenzenlose Konkurrenzkampf geboren worden.
Eine direkte Folge ist, dass alle Tätigkeiten immer effizienter, mitimmer weniger Personal und auch noch immer schneller erledigt werden sollen. Auch die Fehlertoleranz sinkt, um so wiederum Arbeitskraft einzusparen. Die Belastung für den Einzelnen wird immer größer. Dies konnte eine Zeit lang gut gehen, weil genügend Spielraum vorhanden war. Dieser Puffer ist inzwischen aufgebraucht und die abgerufene Leistung hat ein gesundheitlich ertragbares Level in vielen Bereichen bereits überschritten. Wer nur noch leisten muss, ohne die nötigen Erholungsphasen zu bekommen, gerät dauerhaft unter negativen Stress.
Doch damit ist die Spirale noch nicht zu Ende. Verstärkend kommt hinzu, dass der Aufwand, um die geforderte Leistung zu erbringen, immer höher wird. Man ist durch den negativen Stress geschwächt und muss subjektiv immer mehr tun, um nicht zurück zu fallen. Es ist eine Frage der Zeit, bis das schwächste Glied der Kette nachgibt.
Probleme im kollegialen Umfeld werden ebenfalls als extrem negativ und somit als Stress empfunden. Nicht immer muss man hier sofort von Mobbing oder Ausgrenzung sprechen. Es geht auch darum, dass man den Arbeitsplatz einfach nicht gerne aufsucht und so eine immer stärker werdende Aversion gegen den Beruf entwickelt. Dazu reicht es schon, wenn der Gesprächston unter den Kollegen negativ ist oder man sich mit jemandem schlecht versteht, dem man nicht aus dem Weg gehen kann.
Da es heutzutage zur Regel geworden ist, dass Arbeitnehmer zu funktionieren haben, ist es nicht verwunderlich, dass deren Leistung nicht mehr honoriert wird. Doch zählt zur Entlohnung nicht nur die finanzielle Seite. Es wird Bestätigung und auch Lob erwartet. Positives Feedback ist sehr leicht zu vermitteln und bedarf nur weniger Worte. Schade, dass es so selten verteilt wird. Es ist doch auch ganz normal, jemanden über gemachte Fehler zu unterrichten. Warum fällt es dann so schwer, einige anerkennende Worte zu verlieren, wenn es angebracht ist?
Die Arbeitsbedingungen spielen für das Wohlergehen der Mitarbeiter eine sehr große Rolle. Bereits Kleinigkeiten können sich sehr positiv aber auch sehr negativ auswirken. Hohe Lautstärke am Arbeitsplatz, schlechte Klimatisierung, fehlende Schutzkleidung, mangelhaftes Arbeitsgerät … sorgen für zusätzliche Erschwernis oder gar Gefährdung der Arbeitnehmer. Wer seine Arbeit nicht unter guten Bedingungen ausführen kann, wird unzufrieden und gestresst reagieren.
Es stellt sich als großer Motivator dar, wenn man auf ein Ziel hin arbeiten kann. Man möchte eine bessere Stellung, mehr Geld oder auch eine andere Tätigkeit erreichen und bemüht sich, diesen Wunsch wahr werden zu lassen. Ist diese Perspektive aber nicht vorhanden, lohnt es sich vermeintlich nicht, eine bessere Leistung als gefordert zu erbringen. Gerade subjektiv wirkt es sich äußerst negativ aus, wenn man kein Ziel hat und endet schlussendlich in Frust und somit Stress.
Als leider sehr unwichtig erachtete Faktoren sind die Aus- und vor allem die Fortbildung zu nennen. Man gerät unter enormen Druck, wenn man für eine Tätigkeit nicht ausreichend qualifiziert ist. Das fehlende Wissen muss durch hohes Engagement wieder wett gemacht werden. Wo dies nicht möglich ist, entsteht natürlich enormer Druck. Beide Faktoren werden als negativer Stress wahrgenommen. Um die Qualität und Sicherheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten, könnten sich regelmäßige Schulungen als adäquates Mittel erweisen.
In unserer sicherlich nicht abschließenden Aufzählung stressender Faktoren am Arbeitsplatz ist der unangenehme Punkt Mobbing zu erwähnen. Kommt es über einen längeren Zeitraum zu unkollegialem oder aggressivem Verhalten innerhalb der Kollegenschaft oder gar zwischen Arbeitnehmern und Vorgesetzten, spricht man unter Umständen von Mobbing. Dieser Begriff ist im allgemeinen Sprachgebrauch bereits ausreichend integriert, so dass über die stressenden und negativen Auswirkungen an dieser Stelle sicherlich keine Worte mehr verloren werden müssen.
Dreh und Angelpunkt des BurnOut-Syndroms ist das Missverhältnis zwischen Stress und fehlendem Ausgleich. Die Arbeit hat meist einen hohen zeitlichen und inhaltlichen Stellenwert in unserem Leben. Um so wichtiger ist es, dass hier auf ein ausgeglichenes und möglichst positives Verhältnis geachtet wird. Sowohl für den Arbeitgeber, aber auch für den Arbeitnehmer ist es von großer Bedeutung, dass Wohlbefinden und damit Arbeitskraft und Engagement erhalten bleiben. Ein gepflegtes und entspanntes Miteinander sollte oberste Priorität haben. Um dieses zu erreichen ist ein offener Austausch zwischen allen Parteien nötig. Es bringt nichts, über die Umstände und Probleme zu schimpfen, diese aber nicht weiter zu geben. Gerade in großen Betrieben kann die Führung unmöglich wissen, wo es an der Basis hapert, wenn kein entsprechendes Feedback gegeben wird. Alle sollten mithelfen und diesen wichtigen Sektor Arbeit so gut wie möglich zu gestalten. Ein offener Austausch wäre wünschenswert und hilfreich.


